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Fußball-WM: Spanien im Portrait

Mit neuem Tiki-Taka will “La Furia Roja” in Russland Gegner und Fans verzaubern

Fußball-WM: Spanien im Portrait 7. Juni 20183 Comments

Alle vier Jahre dreht sich in der Welt des Fußballs alles um das wichtigste Turnier: die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft. Zur Vorbereitung auf Russland portraitiert kultort.at die zehn Top-Favoriten auf den Titel. Jede Woche erwarten euch zwei neue Mannschaften in der Analyse. In diesem Portrait nehmen wir “La Furia Roja” aus Spanien unter die Lupe.

Trainer: Julen Lopetegui (seit 2016)

Abschneiden 2014: Aus in der Gruppenphase

WM-Teilnahmen: 14

WM-Titel: 1 (2010)

Schlüsselspieler: Sergio Ramos (Real Madrid), Andrés Iniesta (FC Barcelona, ab 01. Juli bei Vissel Kobe), David Silva (Manchester City)

Gruppengegner: Iran, Marokko, Portugal


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Stärken: Dominanz im Mittelfeld.

Alonso, Xavi, Iniesta, Silva, Fàbregas — im letzten Jahrzehnt sorgten diese Akteure durch die zur Perfektion gebrachte Spielweise Spaniens zumeist für hinterherschauende Blicke ihrer Gegenspieler. Das Tiki-Taka lässt gegnerische Mannschaften nur reagieren. Wenn die spanische Auswahl die Chance bekommt, ihr Spiel aufzuziehen, dann sind sie richtig gut, das weiß auch Trainer Julen Lopetegui.

Deshalb hat er rund um Iniesta und Silva ein neues Gerüst an teils deutlich jüngeren Spielern gebaut. Die “Next Generation” mit Isco, Tiago, Koke, Asensio und Co. hebt das spanische Kurzpassspiel auf ein neues Level. Ziel des Systems ist nach wie vor Dominanz und eigenes Agieren im Mittelfeld. Mittel zum Zweck sind die dafür benötigten Bausteine hohes Pressing, intensives Passspiel und langer Ballbesitz.

Das macht Lopetegui am liebsten in seinem 4-3-3-System, das ihm in seinen ersten 19 Länderspielen eine unnachahmliche Bilanz von 13 Siegen und sechs Unentschieden beschert hat, via transfermarkt.at. Es scheint, als hätten die Spanier mit ihrem neuen Trainer zu alter Stärke gefunden. Lopetegui entwickelte die Idee weiter und holte frischen Wind in Form von neuen Spielern hinzu.

In der Qualifikation setzte man sich souverän gegen Italien durch. Im März setzte “La Roja” zu einer Machtdemonstration an und schickte Argentinien mit 6:1 nach Hause. Dass auch andere Kaliber des Weltfußballs besiegt werden können, um wieder ganz oben am Thron anklopfen zu können, muss Spanien im WM-Verlauf beweisen.

Schwächen: Atmosphärische Störungen.

Sechsmal Real Madrid, viermal FC Barcelona — so viele Spieler der mitunter schärfsten Rivalen der letzten Jahre im europäischen Fußball stehen im aktuellen WM-Aufgebot Spaniens. Gibt es keine verletzungsbedingten Änderungen, prallt diese Rivalität in den kommenden Wochen in geballter Kraft tagtäglich aufeinander.

Sergio Ramos und Gerard Piqué können wohl als das stärkste Innenverteidigerduo der Welt bezeichnet werden — und das, obwohl ihre teils öffentlich ausgetragenen Differenzen einen ständigen Unruheherd darstellen. Im vergangenen Jahr war die Stimmung wieder einmal hochexplosiv, als sich Piqué als Befürworter der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung äußerte. Die spanischen Zeitungen bezeichneten ihn als “Feind in den eigenen Reihen”, die Fans pfiffen ihn aus und sogar Nationalteamkollege und Real Madrid-Verteidiger Nacho konterte Piqués Aussagen. Da wurde es sogar Raubein Ramos zu bunt, der prompt seine sehr gute Beziehung zum Katalanen betonte, auch wenn sie nicht immer gleicher Ansicht seien.

Trainer Lopetegui ist seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren damit beschäftigt, ein Klima des Miteinanders und des Vertrauens zu kreieren. Dass sich die politische Situation etwas stabilisiert hat und die letzten härteren Clásico-Duelle zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona schon etwas länger her sind, kann da kein Nachteil sein. Agiert “La Furia Roja” wie bei den vergangenen Titelgewinnen als ein Team, ist sie für jeden Gegner brandgefährlich.

Player to Watch: Isco

Francisco Román Alarcón Suárez, wie Isco mit bürgerlichem Namen heißt, ist ein Spieler, der mit seiner Art zu einem der ganz großen Stars dieser WM werden könnte. Seit mittlerweile fünf Jahren im Dress Real Madrids, zieht er mit seinen atemberaubenden Dribblings die Blicke auf sich.

Das Fußballspielen lernte Isco auf den Straßen seiner Heimatstadt Málaga. Bereits in jungen Jahren musste er sich gegen körperlich stärkere Spieler durchsetzen, hat ihn doch sein älterer Bruder regelmäßig auf den Platz in der Stadtmitte mitgenommen. Schon damals umkurvte er seine Gegenspieler phasenweise nach Belieben. Etwas, das ihm bis heute geblieben ist. Isco besticht durch spektakuläre Dribblings, ist stark und wendig am Ball und beherrscht den tödlichen Pass. Für Real Madrid hatte er dieses Jahr eine bewerbsübergreifende Passquote von 89,5 %, via whoscored.com.

Fähigkeiten und Statistiken, die es umso erstaunlicher machen, dass es Isco noch immer nicht geschafft hat, uneingeschränkter Stammspieler bei Real Madrid zu sein. Auch diese Saison hat er nur 21 Spiele (bei neun Einwechslungen) in La Liga von Beginn an bestritten. Für einen Spieler seiner Klasse und seines Alters zu wenig. Im Nationalteam ist das anders. Trainer Lopetegui hat uneingeschränktes Vertrauen in ihn — etwas, dass Isco von Zidane nie erhalten hat.

Lopeteguis Vertrauen könnte auch daran liegen, dass er gemeinsam mit Isco 2013 bereits U-21-Europameister geworden ist. In seinem System spielt der quirlige Spanier eine essentielle Rolle. Zumeist auf der Außenbahn eingesetzt, kann er bei Bedarf auch im Zentrum agieren.

Prognose: Spanien setzt sich in einem hochklassigen Halbfinale gegen Deutschland durch. Das Endspiel verlieren sie jedoch gegen Brasilien.

Matthias auf Twitter: @mwFuehrer

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