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Golden State Warriors: Auf dem Gipfel ihrer Möglichkeiten

Die Dominanz der Golden State Warriors scheint kein Ende zu nehmen, könnte aber auch bald zu Ende sein

Golden State Warriors: Auf dem Gipfel ihrer Möglichkeiten 8. Juni 2018Leave a comment

Redakteur

Manchmal wiederholt sich Geschichte eben doch. Vor exakt einem Jahr führten die Golden State Warriors in der Finalserie gegen die Cleveland Cavaliers mit 3:0, nachdem Kevin Durant den entscheidenden Dreier vom linken Flügel traf. Viele erwarteten den Sweep bereits im letzten Jahr. Die Cavaliers verkürzten allerdings in Spiel 4 auf 3:1. Dieses Jahr hat das Starensemble um Durant, Stephen Curry und Klay Thompson wieder die Chance, die Serie auf schnellstmögliche Art zu beenden.


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Ein Team für die Geschichtsbücher

Golden State würde sich damit zum dritten Mal in vier Jahren die Basketball-Krone aufsetzen. Sie müssten in einem Atemzug genannt werden mit den großen Teams der Ligageschichte. Die Boston Celtics in den 1960er Jahren. Die Los Angeles Lakers und Celtics in den 1980er Jahren. Die Chicago Bulls von Michael Jordan in den 1990ern. Die Lakers in den frühen 2000er Jahren. Und eben die Stephen-Curry-Warriors. Im nächsten Jahr werden sie versuchen, ihren vierten Titel in fünf Jahren zu gewinnen. Eine Errungenschaft, die seit 1969 kein Team mehr erreichen konnte.

Die gesamte Saison betonte Headcoach Steve Kerr, wie schwer es sei, vier Finals in Folge zu erreichen. Müdigkeit und Druck von außen erschweren jedes Spiel. Zusätzlich hat jeder Gegner ein kleines bisschen mehr Motivation, wenn es gegen den Meister geht. Jeder möchte das Superteam zu Fall bringen. Die Ruhe von Kerr strahlte auf seine Spieler ab. Sie ließen sich von all dem Rummel nicht beeindrucken und lieferten eine souveräne Saison mit 58 Siegen ab.

Keiner der vier All-Stars spielte dabei mehr als 73 der 82 möglichen Regular-Season-Spiele. Der Trainerstab in Oakland hat Lehren gezogen aus dem Jahr 2016, als nach 73 Siegen in der regulären Saison in den Finals die Luft ausging. Die Warriors nahmen in dieser Saison sogar Platz zwei in der Western Conference in Kauf, um für die Playoffs ausgeruht zu sein. Es zahlte sich aus. In sieben Spielen schlugen sie die Houston Rockets und zogen so in ihre vierten NBA-Finals in Folge ein.

Besser als je zuvor?

Die Warriors haben in den letzten Jahren vielleicht schon bessere Leistungen abgeliefert als in dieser Saison. Curry hat im Moment nicht die Form von 2016. Die Bank musste einiges an Tiefe einbüßen. Doch ihr gesamtes Auftreten war nie so souverän wie in diesem Jahr. Sie haben in den letzten vier Spielzeiten jeden erdenkbaren Plan gesehen, sie zu stoppen. Und sie kennen inzwischen auf jeden Plan eine Antwort.

Dabei legten die Basketball-Götter ihnen einige Steine in den Weg. Stephen Curry verpasste große Teile der Saison und den Beginn der Playoffs mit einer Sprunggelenksverletzung, die alte Sorgen wieder aufkommen ließ. Der Finals-MVP von 2015, Andre Iguodala, fehlte in den entscheidenden Spielen der Conference-Finals und den ersten beiden Finalspielen. Zu allem Überfluss stockte mit den Houston Rockets auch noch der größte Konkurrent der Warriors im vergangenen Sommer auf, verpflichtete den neunmaligen All-Star Chris Paul.

Doch beim Meister verfiel niemand in Panik. Auch nicht bei einem Rückstand von 2:3 in den Western-Conference-Finals. Das Selbstvertrauen und Selbstverständnis, das beste Team der Welt zu sein, ist unerschütterlich. Ihre besten Spieler sind der großen Bühne nicht fremd. Jeder weiß, was er zu tun hat, wenn das Spiel in die entscheidende Phase geht.

Talentunterschied zu groß

Kein Team in der NBA hat die Last auf so vielen Schultern verteilt wie die Warriors. Draymond Green und Iguodala machen defensiv den Unterschied aus, während Curry und Durant an guten Tagen offensiv nicht zu stoppen sind. Klay Thompson ergänzt das Team sowohl offensiv als auch defensiv perfekt. Bei einem derart talentierten Kader können sogar Totalausfälle einzelner Spieler kompensiert werden. Bestes Beispiel dafür war Spiel 3, als Curry seine schwächste Leistung seit Jahren hatte.

Dieser Kader ist das Ergebnis aus gutem Management, hervorragender Spielerentwicklung und einer gehörigen Portion Glück. Aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit in jungen Jahren nahm Curry 2013 einen vergleichsweise günstigen Vertrag an. Gemeinsam mit dem sprunghaften Anstieg der Gehaltsobergrenze im Jahr 2016 ermöglichte dieser Vertrag die Verpflichtung von Kevin Durant. Konstellationen wie diese kommen so gut wie nie vor. Houston und Oklahoma City haben es im letzten Sommer versucht, aber die Situation der Warriors zu rekonstruieren, ist praktisch unmöglich.


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Es kann nicht mehr besser werden

Golden State ist auf dem Gipfel ihrer Leistungsfähigkeit. Doch auch ihr Lauf wird enden. Erste Zeichen werden schon sichtbar. Nach dem Mega-Vertrag von Curry (201 Millionen US-Dollar) im letzten Sommer, muss in den kommenden Monaten auch das Arbeitspapier von Kevin Durant erneuert werden. Im Sommer 2019 trifft auch Klay Thompson den offenen Markt. Es wird erwartet, dass Thompson auf Gehalt verzichten müsste, um bei den Warriors zu bleiben.

Da die Liga die Teams mit zu hohen Gehaltsausgaben von Jahr zu Jahr härter bestraft, wird der Check, den das Team aus Kalifornien ausstellen muss, irgendwann noch nicht dagewesene Höhen erreichen. Auch die Besitzer des besten Teams werden einen Preis haben, den sie nicht mehr bezahlen. Spätestens dann wird die Dynastie ein Ende haben. Bis dahin werden Warriors versuchen, das bestmögliche aus ihrem Zeitfenster rauszuholen.

Jan auf Twitter: @JanOnOne

[Foto: Keith Allison/Flickr/CC BY-SA 2.0]

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