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Andreas Gabalier: Der Vorbote des österreichischen Populismus

Der “Volks-Rock 'n' Roller” wird zurecht wegen seinen fragwürdigen Haltungen und Liedtexten kritisiert

Andreas Gabalier: Der Vorbote des österreichischen Populismus 13. Juni 20186 Comments

“Ma, unser Andi! Der singt halt no über die Heimat”, hätte die 90-jährige Tante Trude vermutlich gesagt, wenn sie den Andreas Gabalier im Fernsehen gesehen hätte. Ja, es stimmt, der Gabalier singt über die Heimat. Er liebt sein Österreich, fühlt sich mit dem Land und seiner Kultur verbunden. Dies trägt er mehr als deutlich nach außen. Eigentlich etwas, das der Schlager so im Blut hat, wie das Playback auf Live-Events. Einen gewissen Grad überschreitet der “Volks-Rock ‘n’ Roller” jedoch seit Jahren: Die Trennlinie zwischen inniger Heimatliebe und eindeutigen faschistischen Referenzen.


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“Ageh, der is’ einfach nur ana von da alten Schule.” Ja, Onkel Sepp, das mag stimmen. Die alte Schule ist aber nicht mehr die aktuelle und vor allem angemessene Schule. Das Phänomen Gabalier spaltet die Gemüter — nicht nur in dieser Hinsicht. Vollkommen zurecht gilt der “Mountain Man” als umstritten.

Der “Volks-Rock ‘n’ Roller”

Auf Gabaliers offizieller Homepage kann man sich mit einem frankierten Brief ein Autogramm bestellen. Außer es ist eine Anfrage aus dem Ausland, dann muss man nur einen Euro in das Kuvert stecken. Auf der Startseite prangert sein Logo, natürlich in Rot-Weiß-Rot gehalten. Schon geil, wie leicht und eingängig das alles scheint. Betrachtet man seine Vergangenheit, so scheint diese gar nicht leicht. Geboren während einer Autofahrt in Kärnten, wuchs der Musiker in Graz auf, wo er später auch Rechtswissenschaften studierte. Gabalier begann schon damals mit dem Musizieren, bis heute ist er verantwortlich für seine Liedtexte. Dann der große Schock, gleich doppelt: 2006 suizidiert sich sein Vater, 2008 folgt seine Schwester dem gleichen Schicksal. Gabalier widmet den beiden den Song “Amoi seg’ ma uns wieder”.

Ein Jahr später erscheint sein erstes Album Da komm’ ich her. Die Erfolgsgeschichte beginnt. Heute hat er sechs Alben hinter sich, sieben Amadeus Awards gewonnen, in Österreich und Deutschland mehrfach Platin-Status erhalten. Gabalier, dessen Name von einem französischen Einwanderer stammt, ist der erfolgreichste Musiker der österreichischen Szene. Zum Vergleich: Wanda hat mit Amore Doppel-Platin erreicht, Gabalier mit Herzwerk und Volks’Rock’n’Roller jeweils achtfaches Platin! Mittlerweile füllt er Hallen tausendfach und ist mit Silvia Schneider (alias Philippa Strache 2.0) liiert.

Daham statt Islam?

Strache ist ein gutes Stichwort — ein Wort, das einem im Herzen sticht. Ebenso tut es der Name Gabalier. Denn seinen massiven Erfolg baute er auf den gleichen Stufen wie der aktuelle Vizekanzlers. Auf den Stufen des Populismus.* Während den Freiheitlichen — und seit den letzten zwei Jahren den neuen Türkisen — Populismus zugeschrieben wird, erzeugt der Musiker diesen förmlich. Aber nicht nur seine konservativen Texte drücken diese fragwürdige Haltung aus. Gabalier sorgt ebenso durch seine Auftritte immer wieder für Kontroversen.

Nicht nur, dass der 33-Jährige beim Amadeus 2015 meinte, man hat es schwer “wenn man als Mandal noch auf ein Weibal steht.” Er rechtfertigte sich ebenso für das Singen der alten Hymne (ohne den “Großen Töchtern”) in einer Weise, die nicht als Argument ausfällt. Weil er es traurig finde, nicht mehr so sein zu dürfen, wie es früher normal war. Somit ist Gabalier zu einem Fels der alten Werte geworden. Durch sein Auftreten und seine Musik. Er ist ein musikalischer Populist, der ein gefährliches Gedankengut in Heimat-Blues verwandelt. Damit ist er nicht nur eine weitere Stütze für den aktuellen Trend, solche Gedanken wieder zu hegen — nein, es macht ihn zu einem Propaganda-Automat für jene in der Politik, die auf diese Entwicklung bauen.

Ein brauner Schriftzug

Gabaliers fragwürdige Texte gibt es freilich nicht erst seit gestern. Bereits seine ersten musikalischen Publikationen hatten eine schwierige ideologische Botschaft inne. Im Song “Meine Heimat” heißt es etwa:

Wo man Freunde hat fürs Leben, und uns uns’re Mädchen lieben. Weil sie wissen, was wir für Männer sind.

Dementsprechend wiesen bereits seine ersten musikalischen Werke den Weg zu festen Geschlechterrollen, alten Werten und überzogenem Heimatgefühl. Alles Dinge, mit denen sich viele Menschen in Österreich noch anfreunden. Schritt für Schritt steigerte sich der Künstler. Bis 2011 das Artwork des neuen Albums VolksRock’n’Roller sogar sehr große Ähnlichkeit mit dem Hakenkreuz aufwies. Zufall?

Hätte man sich davon abgrenzen wollen, warum dann überhaupt ein solches Cover?

Das Motiv Heimat zieht sich bis heute durch das Gesamtwerk von Andreas Gabalier. Wenn man überhaupt von einer Veränderung seiner Thematiken sprechen kann, dann nur von einer Steigerung in ihrer Eindeutigkeit. Parallel dazu entwickelte sich in Österreich der Populismus ganz so, als hätte Gabalier diese Entwicklung mitbestimmt. Immerhin liefert der Österreicher Hymne über Hymne für die Freiheitliche Partei. Wenn sie einen Bezug auch nicht zugeben würden, so haben die Partei und der Musiker unweigerlich dasselbe Publikum. Der platte Populismus aber hat sich wie ein dunkler Schatten über das ganze Land gezogen. Themen wie Heimat, Zusammenhalt und Sicherheit sind in den Vordergrund gerückt. Dinge, die der “Volks-Rock ‘n’ Roller” doch schon seit Jahren singt:

Mit einem Madl an der Hand, gehen wir durch unser Land.

Die Macht der Massen

Solche Zeilen zeigen Wirkung. Die Mehrheit der Menschen in Österreich scheint mit Gabaliers Musik zu sympathisieren. Warum auch nicht? Er singt von Dingen, die schön sind und zu der Identität dieser Nation gehören. Waren es in den letzten Alben Dinge wie Berge, Kaiserschmarrn und Sexismus, sind es heute Scheitelknien, Schnitzel und Sexismus. Richtig, eigentlich hat sich nicht viel getan — Gabalier ballert nur etwas direkter und mit mehr Streufläche in die Masse, wie es Georg Leyer in einem Kurier-Artikel bezeichnet. Sein Publikum verübelt ihm diesen Akt nicht. Denn selbst, wenn sie seine Absicht entlarven würden, so sind es die gleichen Motive, die sie locken. Bekannterweise tut dies ja ebenso der politische Populismus. Er legt Feuer und vergisst es zu bändigen.


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Den weiteren Verlauf eines solchen Streufeuers kennen wir aus der eigenen Geschichte. Auch wenn Musiker oft unter den Schutzmantel der Kunst genommen werden, so muss es dennoch ihre Aufgabe werden zu begreifen, welchen Einfluss sie haben. Und dass sie Verantwortung tragen. Denn nicht nur Marco Wagner bewies tölpelhaft, wie schnell man das falsche Lied mitgrölen kann. Auch die Liederbuch-Affäre verdeutlichte die Ernsthaftigkeit dieses Themas. Es stellt sich nur die Frage, ob Gabalier ein Musiker ist, der seine Musik macht, weil sie Erfolg verspricht. Oder weil er tatsächlich Parolen grölen will, die Werte in die Welt tragen, die in das Grab unserer Vorfahren gehören.

*Anmerkung des Autors.: Der Vergleich von Gabalier’s Texten mit jenen der Liederbuchaffäre wurde, um Missverständnisse zu vermeiden, aus stilistischen Gründen nach der Veröffentlichung entfernt.

Johannes auf Twitter: @joschi_mayer

[Foto: Special Olympics 2017/Flickr/CC BY 1.0]

6 comments

  1. @JohannesMayer
    Deinen Aussagen zufolge ist jeder der seine Heimat liebt und darüber schreibt oder singt also ein rechter Faschist. Falls es dir entgangen ist, schreiben und singen 99% aller österreichischen Künstler Lieder der Heimat, oder hälst du den Fendrich auch für einen Nazi, weil er I am from Austria singt.
    Ich jedenfalls glaube, das deine linkslinke Einstellung für Österreich 🇦🇹 nicht gut ist.
    Wenn mir jemand verbieten will, meine Heimat zu lieben, weil ich sonst ein rechter bin usw,
    dann lebe ich glaub ich im falschen Land.
    Und nur weil ich diesen ganzen Multikultiwahn nicht haben will, bin ich weder ein rechter noch sonst irgendwas. Wenn du lieber mehr Multikulti willst, geh dorthin, wo das gelebt wird, und du wirst selber sehen, daß das nicht das gelbe vom Ei ist.
    Aber bitte verschone uns mit deinen linksfaschistischen Texten bzw. Publikationen!

    1. Lieber Markus,
      Danke für deinen kritischen Kommentar – in vielerlei Hinsicht verstehe ich dein Anliegen. Glaub mir, ich liebe sehr wohl mein Heimatland, schätze es sehr in so einem genialen Staat aufgewachsen zu sein und finde es unnötig, die ganze Zeit Österreich so aufs Schärfste zu kritisieren. Ich bin nur der Meinung, dass wir politisch und gesellschaftlich einen Weg einschlagen, der nicht vernünftig und unfair gegenüber Anderen ist. Ich habe hier ein paar Ausführungen für dich:

      1. Singen sehr viele MusikerInnen über ihre Heimat, das ist auch gut so. Niemand ist deswegen ein Nazi, ein Rechter oder was auch immer. Wenn mir aber einer vom Scheitelknien singt und die Frau am liebsten kategorisch unterordnet, dann ist das was Anderes. Wenn du das nicht erkennst, schade, aber es ist die Realität – vergleiche zahlreiche Berichterstattungen (sind im Artikel verlinkt).

      2. Niemand verbietet irgendjemanden seine Heimat zu lieben. Es ist nur eine Unart, sie nur für sich zu beanspruchen und sich gegen alles “Fremde” so aufzulehnen, nur weil man sich in seiner vermeintlichen Freiheit eingeschränkt fühlt. Schau dir einfach die “Alltagsgeschichten” an – da schimpfen die auch schon seit Jahrhunderten gegen die Ausländer.

      3. Die Unterstellung mit dem Multikulti-Wahn finde ich leider sehr schwach ausformuliert und herablassend. Eine integrierende Gesellschaft ist nicht nur wünschenswert, sondern notwendig, wenn man die Lebensumstände anderer Teile der Welt betrachtet. In diesem Sinne möchte ich dir einen Aufenthalt in einem Land wie Syrien zB ersparen, aber gut.

      Ich hoffe mit dieser Antwort verstehst du in etwa meine Denkweise. Ich will sie dir nicht aufzwingen, ich will nur, dass du verstehst was ich meine. Ich weiß, es ist leichter sich dagegen zu wehren. Dementsprechend mache ich es mir zur Aufgabe, weiterhin Texte zu publizieren.

      Vielen Dank nochmal für deinen Kommentar und alles Gute für die Zukunft,

      Johannes Mayer

  2. Ich kenne kein einziges Stück von ihm. Aber ich wünsche ihm Glück. Wenn die zwangsautoritären, scheinliberalen linken Spießer, die hinter jedem Baum einen Nazu wittern, ihn zjm Feindbild erklären, muss er alles richtig machen.

    1. Lieber Thomas,
      Ich kann dir nur raten dir seine Musik anzuhören. Vielleicht verstehst du dann, was ich daran kritisiere. Wenn nicht, bin ich dir auch nicht böse. Mich als scheinliberalen linken Spießer zu schimpfen finde ich aber nicht fair und ist für mich eine Disqualifizierung für eine seriöse Beurteilung deines Kommentars.
      Dennoch alles Gute 🙂

    2. Danke für die gute Antwort Herr Mayer, Menschlichkeit und Humanismus müssen die Norm bleiben an der man sich orientiert. Immer. Sich abschirmen von der Armut anderer ist nicht richtig. Wir leben alle auf dieser einen Erde, Zusammenhalt sollte normal sein. Das Richtige hat nie etwas mit Gewalt zu tun. Ich finde die derzeitige politische Entwicklung mit der neuen Regierung bedenklich. Gut, dass es Menschen wie Sie gibt, die mit ihrer klaren Sprache die Dinge auf den Punkt bringen.

      Was ich mich trotzdem besorgt frage, ist wie sich alles weiter entwickeln wird, wenn so viele Kulturen und Menschen die oft nicht viel gemeinsam haben, plötzlich miteinander leben. Ich sehe großen Handlungsbedarf im Schulwesen, bei der Integration, bei der Aufklärung von Immigranten über Menschen- und Frauenrechte. Es müsste viel mehr gemacht werden um Kulturen zusammen zu bringen, damit ein Miteinander entstehen kann. Ich habe schon den Eindruck, dass man der Lage mit der Zuwanderung gesellschaftlich nicht gewachsen ist und daraus viele Probleme entstehen. Es ist eben nicht alles schwarz weiß. Und man kann auch leicht ausgenutzt werden, wenn man gutmütig ist und aufgeklärte und humanistische Werte lebt und zwar von jenen denen diese Werte fremd sind. Alles Liebe, Karoline W.

  3. Ich wünsche mir Gleichberechtigung für ALLE Frauen und den Rest der Menschheit!! Aber nicht mit heuchlerischen Sprachänderungen ala “political correctness” sondern mit Achtungshaltung im Alltag gegenüber den Frauen und einer absoluten monetären Gleichstellung. Heuchler und Hetzer, schiebt Euch EUER “Innen” sonst wohin und gleicht endlich die Einkommen an!!! Ich singe die Nationalhymne wenn ich MUSS, so wie ich sie in meiner Schulzeit gelernt habe. Dabei hab ich kein schlechtes Gewissen! Freiwillig und gerne singe ich die Europahymne. Und aus Überzeugung, für den Frieden in dem meine Enkelin aufwachsen soll! Ohne Fremdenhass und Hetze gegen Schwächere, Flüchtlinge und Randgruppen!! Ich hoffe mit diesen Aussagen alle politischen Strömungen beleidigt zu haben. Dies ist auch ein Statement gegen die Unaufrichtigkeit der Politik! Gott schütze unser Österreich!

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