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Fußball-WM: Russland im Portrait

Mit ähnlich schwieriger Ausgangslage wie Österreich vor dem Heim-Turnier 2008 hofft Gastgeber Russland auf ein Wunder

Fußball-WM: Russland im Portrait 13. Juni 20183 Comments

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Alle vier Jahre dreht sich in der Welt des Fußballs alles um das wichtigste Turnier: die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft. Zur Vorbereitung auf Russland portraitiert kultort.at die zehn Top-Favoriten auf den Titel. Jede Woche erwarten euch zwei neue Mannschaften in der Analyse. In diesem Portrait nehmen wir Gastgeber Russland unter die Lupe.

Trainer: Stanislaw Tschertschessow (seit 2016)

Abschneiden 2014: Aus in der Gruppenphase

WM-Teilnahmen: 10 (davon 7 als UdSSR)

Schlüsselspieler: Igor Akinfeev, Aleksandr Golovin (beide ZSKA Moskau), Fjodor Smolov (FK Krasnodar)

Gruppengegner: Ägypten, Saudi-Arabien, Uruguay


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Stärken: Heimvorteil und Auslosung.

Die aktuelle russische Mannschaft ist die schlechteste in der jüngeren Vergangenheit. Eine Meinung, die viele Experten teilen und zugleich eine Befürchtung, die den Fans des Gastgebers unruhige Nächte beschert. Der Zeitpunkt könnte nicht unangenehmer sein — steht doch am 14. Juni mit dem Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien der Startschuss für die WM im eigenen Land an.

Warum es die “Sbornaja” trotzdem in unsere elitäre Auswahl der WM-Favoriten geschafft hat, ist schnell erklärt. Das hat ganz einfach — und zwar ausschließlich — mit ihrer Rolle als Gastgeber zu tun. Die größten Hoffnungsschimmer einer ganzen Nation sind Heimvorteil und Auslosung. Traditionell sind die Ausrichter eines WM-Turniers meist sehr lange zu bestaunen. Dass dies nicht nur großen Nationen wie Deutschland oder Brasilien gelingt, hat Südkorea 2002 bewiesen. Angetrieben von fanatischen Fans, einer Euphorie im gesamten Land und der ein oder anderen glücklichen Schiedsrichterentscheidung haben sie es beim Heimturnier bis ins Halbfinale geschafft.

Dass die russische Mannschaft zumindest das Zeug hat, ihre Gruppe zu überstehen, liegt auch an der Auslosung. Uruguay ist vielleicht außer Reichweite — will man aufsteigen, muss es aber möglich sein, gegen Saudi-Arabien sowie Ägypten zu reüssieren. Selbst Präsident Putin weiß, dass es nicht allzu gut um die Chancen seines Landes steht. Deshalb gibt er dem Team Erstaunliches mit auf den Weg. Der Präsident und die gesamte Bevölkerung erwarten, dass “die Mannschaft mit Würde spielt, modernen und interessanten Fußball zeigt und bis zum Ende kämpft”.

Schwächen: Eine überalterte Mannschaft ohne junge Hoffnungsträger.

Mit den Worten “Wir sind scheiße” hat der damalige Trainer der Russen, Leonid Sluzki, die EM 2016 beendet. Sogar die Spieler waren laut eigener Aussagen einer Meinung mit ihm. Dass sich an den wenig berauschenden Auftritten in den letzten zwei Jahren nicht allzu viel geändert hat, ist leider offensichtlich.

Der endgültige Kader für das WM-Turnier hat ein Durchschnittsalter von 28,8 Jahren, via transfermarkt.at. Nur fünf Teilnehmer stellen eine ältere Auswahl. Blickt man auf die (Nicht-)Erfolge in der jüngeren Vergangenheit, handelt es sich dabei sicher nicht um den verdienten Höhepunkt einer goldenen Generation. Der Grund für dieses hohe Alter in der Mannschaft könnte auch an den fehlenden Alternativen liegen. Kaum junge Spieler drängen sich wirklich auf, geschweige denn trauengm sich nach Westeuropa, um dort den nächsten Schritt zu machen. Nur zwei der 23 Kaderspieler spielen nicht in Russland. Trainer Stanislaw Tschertschessow hatte bei der Auswahl der Spieler eher die Wahl der Qual als umgekehrt.

In der Innenverteidigung fallen den Russen ihre zwei etatmäßigen Akteure Giorgi Jikia und Viktor Vasin mit Kreuzbandrissen aus. Andere Spieler, inklusive dem bereits 38-jährigen Ignashevich, sollen für Stabilität sorgen. In der Offensive agiert ein Mix aus Jung und Alt. Erfahrung bringen Dzagoev, Samedov und Smolov mit. Hoffen darf die heimische Bevölkerung auf die 22-jährigen Miranchuk-Zwillinge und ZSKA-Mittelfeldspieler Golovin.

Player to Watch: Aleksandr Golovin

Russland startet mit einer Serie von sieben Spielen ohne Sieg in die WM. Damit diese Last möglichst bald von den russischen Schultern abfällt, soll Aleksandr Golovin zur Bestform auflaufen. Schon bei der EM 2016 aktiv, soll dem 22-Jährigen bei der Heim-WM der Durchbruch gelingen.

Vergangene Saison hatte er für seinen langjährigen Klub ZSKA Moskau 27 Einsätze bei 30 Spieltagen aufzuweisen. Dabei gelangen ihm als zentral wie offensiv eingesetztem Mittelfeldspieler immerhin fünf Tore und vier Assists. Diese Leistungen sowie mittlerweile 19 Länderspiele für die “Sbornaja” sind Anlass genug für diverse Wechselgerüchte. So sollen in den letzten Monaten Borussia Dortmund, FC Arsenal, Chelsea und AS Monaco Interesse bekundet haben. Mit einem Marktwert von aktuell 18 Millionen Euro (via transfermarkt.at) ist er im internationalen Transferrausch ein wahres Schnäppchen. Teuerster Aktiver im russischen Kader ist er allemal.

Golovin ist ein technisch sehr gut ausgebildeter Spieler — davon haben die Russen nicht sehr viele im Aufgebot. Seine Stärken sind das Dribbling und das präzise Passspiel, sowohl über kurze als auch lange Distanzen. Vom Erfolg Russlands wird viel davon abhängen, ob Golovin seine Qualitäten über die Dauer eines WM-Turniers konstant einbringen kann.

Es darf davon ausgegangen werden, dass er und seine Teamkollegen beim Heimturnier ganz besonders motiviert sein werden, um für die ersten russischen Glanzlichter seit dem Erfolg bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz zu sorgen.

Prognose: Das Achtelfinale ist ein Muss für Russland — alles andere wäre eine riesige Enttäuschung. Gelingt ihnen im Achtelfinale ein Sensationserfolg gegen Spanien oder Portugal, traue ich ihnen mithilfe des Heimvorteils das Halbfinale zu.

Matthias auf Twitter: @mwFuehrer

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