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20 Jahre bei den Beatsteaks: Thomas Götz im Interview

Wir haben letzte Woche vor dem Gig der Beatsteaks in der Arena Wien mit ihrem Drummer Thomas Götz geplaudert

20 Jahre bei den Beatsteaks: Thomas Götz im Interview 14. Juni 2018Leave a comment

Redakteurin

Wer gerne Rockkonzerte besucht, der kommt an den Beatsteaks nicht vorbei. Unglaubliche Stimmung, schweißnasse Leute und pure Ausgelassenheit. Die fünf Berliner gab es am Vortag schon Indoor zu erleben, da das Arena Open-Air Konzert am 6. Juni restlos ausverkauft war. Vor dem Auftritt hatten wir die Gelegenheit, uns ein wenig mit dem sympathischen Drummer Thomas Götz über sein Dasein als Beatsteak zu unterhalten.

kultort.at: Du spielst jetzt schon 20 Jahre bei den Beatsteaks. Warum eigentlich?

Thomas: Warum? Weil sie gesagt haben, ich kann mitmachen. [lacht] Also, ich weiß noch, dass deren Schlagzeuger damals ausgestiegen ist. Der Manager kannte jemanden, der mich kannte und meinte: “Kuckt euch mal den Schlagzeuger an.” Ich hatte mit meiner damaligen Band einen Auftritt im SO36 in Berlin, in einem ganz bekannten Club, und wir haben da ein Benefizkonzert gespielt. Ich weiß noch, dass nach dem Konzert ein vermeintlich jüngerer Mensch mir im Gang entgegenkam und gesagt hat: “Ey übrigens, du spielst echt gut Schlagzeug!” — und das war, glaube ich, Arnim.

Ich kannte ihn damals nicht, aber im Nachhinein, als ich ihn wiedergetroffen hab, haben sie mich eingeladen und gefragt, ob ich nicht aushilfsweise mitspielen kann. Dann hab ich Arnim gesehen und alles war klar: “Das ist ja der Typ aus’m SO!” [lacht] Ich machte zwei Proben mit, sie fanden das dann cool und für mich war es auch super. Meiner Ansicht war es top, wie sie klangen, der Proberaum war ganz gut, es waren nette Menschen — das ist eh das Wichtigste. So sind dann irgendwie 20 Jahre daraus geworden. Mal kucken, wie es weitergeht!

Neben den Beatsteaks bist du ja auch Teil des Duos NinaMarie mit Marten Ebsen, dem Gitarristen von Turbostaat. Außerdem hast du dein eigenes kleines Label tomatenplatten. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?

Ich glaube, ich trage einfach keine Hüte, deswegen geht das auch alles einfach so gut nebeneinander her. Das läuft schon alles, weil es Sachen sind, die ich gerne mache. Ich denke mir manchmal abends “Ach scheiße, ich hab das vergessen!” oder “Oh Fuck, ich wollte das noch machen, jetzt muss ich das morgen in der Früh gleich als erstes machen!” So etwas passiert ab und zu, aber eigentlich läuft es ganz gut. Es macht sehr viel Spaß, die Schallplatten loszubringen, auch von anderen Bands was zu veröffentlichen. Wenn die Musik schön ist, dann entschädigt das total und man macht die Arbeit gerne. Ich war jetzt die letzten zwölf Tage jeden Tag schwimmen. In irgendeinem See in Europa oder in der Donau in Wien und ich glaube, wenn dafür Zeit ist, dann ist doch alles gut. [lacht]


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Das letzte Beatsteaks-Album Yours ist eigentlich noch ziemlich jung. Arbeitet ihr dann trotzdem neben Konzertauftritten und Festivals an neuen Dingen oder gönnt ihr euch daraufhin bewusst eine Pause?

Während der Tour arbeite ich jetzt nicht an neuen Beatsteaks-Demos. Ich wüsste auch nicht, dass jemand anderes das macht. Wir spielen auf Tour schon alle ein bisschen Musik nebenher. Der eine bastelt an dem Beat herum und der andere macht das, aber wir arbeiten jetzt nicht bewusst an Beatsteaks-Stücken. Ich glaube, wir spielen jetzt erstmal. Am 14. September ist das letzte Konzert und dann lehnen wir uns zurück. Gucken wir mal, was wir dann machen.

Welche Rolle hast du beim Entstehen eines neuen Songs?

Der Vorteil ist, dass wir zu fünft sind und jeder neue Demos mitbringt,  jeder schreibt also Songs. Der eine ist von dem, der andere von dem — es fügt sich dann einfach so zusammen.

Passiert es oft, dass dann eine Idee von dir abgelehnt wird?

Ich hab eine ganz gute Trefferquote, da ich selten richtig dolle Ablehnung erfahre. Aber klar, wenn dann mal viele Demos von dem einen gemacht wurden, ist der andere vielleicht ein bisschen eifersüchtig und meint: “Ja, machen wir mal wieder eine Demo von mir.” Trotzdem hält sich eigentlich die Waage. Mann, es ist halt immer hart, wenn eine Demo abgelehnt wird und man sich denkt: “Boah, scheiße … .” Es ist echt nicht das beste Gefühl, aber es gibt schlimmeres. [lacht]


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Welche Inspirationen hast du für die Demos, die du bringst?

Ich überleg mir oft, was genau für mich die Inspiration ist, wenn ich ein Lied höre. Manchmal ist es so, wenn man einen Song mit einem bestimmten Gefühl hört, dass man sich denkt: “Dieses Gefühl hätte ich auch gern.” — und man diesem dann nacheifert. Das kann aber nicht einfach nachgespielt werden und man muss sich was eigenes einfallen lassen. Aber Inspiration ist ja immer nur der Ausgangspunkt und man macht dann etwas eigenes daraus.

Mein Vater war gestern schon bei eurem Konzert und hat gemeint, es wäre wieder einmal ein Clubkonzert vom Feinsten gewesen. Was gefällt dir persönlich am besten? Kleinere oder größere Gigs?

Ich weiß es nicht. Manchmal denke ich, ich mag die kleinen Konzerte lieber, aber gestern hab ich mich dann auch schon auf heute draußen gefreut, weil es einfach so ein schönes, beeindruckendes Gelände ist. Ich glaube, es hängt immer so ein bisschen von dem Ort ab, wo man spielt, dass einem dieser gefällt — egal, ob groß oder klein. Ich habe nicht so richtig Spaß auf einer Rennstrecke bei Rock am Ring, das finde ich persönlich nicht so geil, aber dafür finde ich, dass große Amphitheater zum Beispiel richtig schöne Orte sind.

Ist es für dich sehr anstrengend, so wie gestern und heute zwei Konzerte hintereinander zu spielen? Gibt es da auch Tage, an denen man keine Lust hat?

Ja, es ist körperlich anstrengend. Klar, man wird ja auch nicht jünger. Früher hat man immer danach gleich gefeiert und am nächsten Tag das nächste Konzert verkatert weitergespielt. Das ist jetzt nicht mehr so, man muss ein bisschen auf sich aufpassen. Man kann auch nicht jeden Tag Lust haben. Ich habe diesen Traumberuf, so ein bisschen ein Kindheitstraum, aber auch im Kindheitstraum gibt es unschöne Momente.

Was macht das für einen Unterschied, ob ihr jetzt in Deutschland, Österreich oder England spielt?

Zwischen Deutschland und Österreich finde ich nicht so einen krassen Unterschied, die englische Mentalität auf Konzerten ist aber noch ein bisschen hooliganmäßiger als hier. Wenn eine bekannte englische Band in Deutschland Vorab-Konzerte spielt, sind die Clubs voll mit Engländern. Da entsteht ein bisschen mehr so ein Gefühl wie beim Fußball. Also, wenn die Arctic Monkeys bei uns nur vor Deutschen spielen, ist es doch weniger wie eine Fußball-Crowd, als wie wenn das Publikum aus Engländern bestehe.

 

Zum Abschluss: Was sagst du dazu, dass ihr oft als die beste Live-Band Deutschlands bezeichnet werdet?

Ja, Dankeschön! Danke sag ich! [lacht]

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[Foto: Svema/Wikimedia/CC BY-SA 4.0]

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