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Fünf Dinge, die wir aus der NBA-Saison 2017/18 gelernt haben

Die NBA-Saison ist vorbei, aber sie hat ihre Spuren hinterlassen

Fünf Dinge, die wir aus der NBA-Saison 2017/18 gelernt haben 15. Juni 2018Leave a comment

Die beste Basketballliga der Welt beendete am vergangenen Samstag ihre Saison. Mit dem Draft in weniger als einer Woche wirft das neue Basketballjahr allerdings schon ihren Schatten voraus. Der perfekte Zeitpunkt, um festzuhalten, was wir aus der abgelaufenen Spielzeit gelernt haben:

1. Social Media in der NBA ist ein Segen …

Was wäre die NBA ohne Social Media? Wahrscheinlich immer noch eine der unterhaltsamsten Sportligen der Welt, aber was sich 24 Stunden am Tag in den Sozialen Medien rund um den Sport dreht, ist phänomenal. Keine der großen amerikanischen Sportarten hat die Integration der neuen Medien so gut hinbekommen wie die NBA. Während andere Sportligen Aufnahmen ihrer Spiele, die nicht von offiziellen Stellen kommen, löschen lassen, profitiert der Basketball von der Offenheit der NBA gegenüber Sozialen Medien wie Twitter.

Dort konnte jeder die kuriosesten Geschichten des Jahres verfolgen. Beispielsweise sollen Chris Paul und zwei Mitspieler einen Geheimgang im Stapels Center genutzt haben, um nach dem Spiel Austin Rivers (L.A. Clippers) in der Clippers-Kabine zu konfrontieren. Gleichzeitig sollte Clint Capela am Eingang für Ablenkung sorgen. Am Ende stellte sich heraus, dass Tarik Black und nicht Clint Capela für Ablenkung gesorgt hat und der geheime Gang eigentlich ein normaler Gang war, der nur zur zweiten Eingangstür der Clippers-Kabine führte. Nichtsdestotrotz war NBA-Twitter für ein paar Stunden ein Tollhaus.

Auch in der kommenden Sommerpause wird der Social-Media-Zirkus in der NBA nicht aufhören. Reporter wie Adrian Wojnarowski und Shams Charania informieren den interessierten Fan live über Draft-Picks und Vertragsabschlüsse. Die NBA ist in der Neuzeit angekommen und kreiert so einen ewig währenden Nachrichtenfluss. Dadurch steigt die Popularität der Liga in ungeahnte Höhen.

2. … und ein Fluch zugeich

Dass Twitter nicht nur positiv sein kann, musste Philadelphia-Manager Bryan Colangelo auf die harte Tour erfahren. Ende Mai berichtete The Ringer, dass er bis zu fünf anonyme Twitter-Accounts besitzen soll. Dem Bericht zufolge nutzte Colangelo sie, um seine Entscheidungen als General Manager zu verteidigen und gleichzeitig die Entscheidungen seines Vorgänger, Sam Hinkie, zu schmälern. Zu allem Überfluss teilten diese Accounts auch vertrauliche Informationen über die Krankenakten von Markelle Fultz und Jahlil Okafor.

Als die 76ers von diesen Berichten erfuhren, wurden alle fünf Accounts für die Öffentlichkeit unzugänglich gemacht. Während Colangelo zugab, den Account @phila1234567 zu besitzen, dementierte er, von den anderen vier zu wissen. Die Sixers ermittelten in diesem Fall. Am Ende stand fest, dass Colangelos Frau die Accounts unterhalten haben soll. Colangelo gab zu Protokoll, nichts von den Aktivitäten seiner Frau gewusst zu haben. Dennoch zog Philadelphia die Reißleine und entließ den GM. Ein Schritt, den sie kurz vor einer Sommerpause, in der LeBron James zu haben ist, verhindern wollten.

3. Center müssen mobil sein

In den Playoffs wird bekanntermaßen jede Schwäche des Gegners ohne Gnade ausgenutzt. Dieses Jahr wurde das besonders deutlich. Da nahezu jedes Team bei jeglicher Pick-and-Roll-Aktion die Verteidiger switcht, werden oft spezielle Match-ups gesucht, die durch die Top-Spieler attackiert werden können. Experten in diesem Feld waren die Houston Rockets.

Wer sich nach einem Switch gegenüber James Harden oder Chris Paul sah, durfte in seiner Ehre als professioneller Sportler gekränkt sein. Wie Raubtiere suchten die Stars sich das schwächste Glied der Herde als Beute für ihre (Korb-)Jagd aus. Selbst der designierte Defensive Player of the Year, Rudy Gobert von den Utah Jazz, wurde Opfer dieser Taktik. So gut sich Gobert in der Zone behaupten kann, es fehlt ihm der Bewegungsapparat, um mit den schnellen Aktionen der Guards mitzuhalten. So kam es, dass der Center in der zweiten Playoff-Runde phasenweise unspielbar war.

Clint Capela (Houston) und Steven Adams (Oklahoma City) wurden als defensive Schwachpunkte ebenfalls öfter als gewohnt auf die Bank gesetzt. Diese Entwicklung ist auch für den kommenden Draft interessant, denn bis zu fünf Center werden in den ersten sieben Picks erwartet. Den Wert einer derart hohen Wahl rechtfertigen nur Spieler, die auch auf der größten Bühne bestehen können. Wer das ist, wird die Zeit zeigen, aber die Idee von positionslosem Basketball wurde in dieser Saison weiter vorangetrieben.

4. Das Trainerkarussell dreht sich wieder

Neben Bryan Colangelo verlor auch eine ganze Reihe anderer Entscheidungsträger ihren Job. Die Charlotte Hornets trennten sich von ihrem Manager, Rich Cho. Dazu haben seit Saisonbeginn neun Teams ihren Trainer entlassen. Nach drei Spielen in der neuen Saison traf es bereits Earl Watson von den Phoenix Suns. Auch Jason Kidd (Milwaukee) und David Fizdale (Memphis) wurden schon während der Saison gefeuert.

Selbst erfolgreiche und verdiente Headcoaches wie Mike Budenholzer in Atlanta oder Dwayne Casey in Toronto durften ihren Job nicht behalten. Besonders Caseys Entlassung kam überraschend, da er der Favorit für die Auszeichnung als Coach of the Year ist. Doch nach einer erneut herben Niederlage gegen die Cleveland Cavaliers in den Playoffs war aus Sicht der Raptors-Verantwortlichen eine Veränderung vonnöten. Dass sie ihm nach seiner Entlassung noch zur Nominierung für die NBA-Awards gratulierten, verbessert die Situation auch nicht.

Nach 2016/17 ohne jegliche Veränderung auf dieser Position,war ein Ausreißer in die andere Richtung zu erwarten. Verstärkt wurde der Trend durch das schamlose Tanking vieler Franchises, bevor sich im kommenden Jahr die Chancen auf den ersten Pick im Draft für die schlechtesten Teams verringern. Mit neuem Coach und neuem Talent wollen diese Organisationen jetzt in eine neue, erfolgreiche Phase ihrer Existenz starten.

5. Die Golden State Warriors sind nicht unschlagbar

Mit ihrem zu keiner Zeit gefährdeten Sieg in den NBA-Finals wollten die Golden State Warriors ihr Beinahe-Ausscheiden in den Conference-Finals vergessen machen. In der öffentlichen Darstellung hat das auch zu einem großen Teil geklappt. Doch hätte Chris Paul sich in den letzten Sekunden von Spiel 5 nicht verletzt, wäre der Meister jetzt wohl ein anderer.

Daryl Morey, General Manager der Houston Rockets, hat den gesamten Sommer 2017 damit verbracht, eine Lösung für die Dominanz der Warriors zu finden. Mit ihrem ersten Platz in der Western Conference holte sich sein Team den Heimvorteil in der Serie gegen den Meister. Dort trieben sie das Überteam aus Kalifornien an den Rande des Ausscheidens. Houston drängte die Schützlinge von Steve Kerr weg von ihrem ballbewegenden Spielstil und forcierten sie zu Eins-gegen-eins-Situationen. Defensiv attackierten sie den schwächsten Verteidiger mit ihren eigenen Einzelkönnern.

Seit der Ankunft von Kevin Durant kamen die Warriors nie derart in Bedrängnis. Fast zwei Spielzeiten hat es gebraucht, um ihren Code zu knacken. Doch am Ende gehört zu jeder Meisterschaft auch etwas (Verletzungs-)Glück. Das hatten Stephen Curry und Co., wie schon 2015, auf ihrer Seite. Chris Pauls Verletzung war sicherlich auch ein Resultat von Übermüdung des Point Guards, doch hält sein Körper die Belastung nur eine weitere Minute aus, ändert dies den Ausgang einer ganzen Saison.

Mit dem erwarteten Wechsel einiger Superstars im Sommer werden die Karten wieder neu gemischt. Die Messlatte für gute Teams liegt dank Houston und Golden State höher als je zuvor und zwingt Teams, kreativ in ihrer Kaderzusammenstellung zu werden. Boston und Philadelphia werden im Osten wahrscheinlich um die Vorherrschaft kämpfen. Und auch das Team von LeBron James wird mit Sicherheit ein Titelkandidat sein. Wo er im Sommer anheuern wird, ist weiterhin unsicher. Aber mit Sicherheit wird auch die nächste Saison nicht langweilig.

Jan auf Twitter: @JanOnOne

[Foto: Keith Allison/Flickr/CC BY-SA 2.0]

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