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Joschi schaut WM: Spaghetti-Kopf und Ziegenbart

Robbie Williams mit Mittelfinger, Neymar mit Spaghetti am Kopf — der erste Spieltag zeigte, wie verrückt der Fußball auch abseits des spielerischen Geschehens sein kann

Joschi schaut WM: Spaghetti-Kopf und Ziegenbart 20. Juni 20181 Comment

stv. Ressortleiter Popkultur

Mit einer Fußball-Weltmeisterschaft verbindet man vorerst eines: Fußball. Dies ist aber ein Trugschluss. Viel mehr offenbart der beliebteste Sport der Welt. In dieser Kolumne zeigen wir euch, welche Kuriositäten der erste Spieltag hervorgebracht hat und wie die Öffentlichkeit damit umgegangen ist.

Robbie zeigt den Mittelfinger

Das erste Spiel dieser Weltmeisterschaft war eine richtige Show. Nicht nur, dass Gastgeber Russland die Mannschaft von Saudi-Arabien vermöbelt hat wie damals Sido den Moderator Dominik Heinzl. Nein, die Eröffnung bot schon vor dem 5:0-Triumph eine Besonderheit. Robbie Williams performte im Vorfeld einige seiner Hits. Cool genug, dass er dafür einen roten Leoparden erlegt hat, um sich diesen eleganten Anzug zu schneidern. Noch cooler: Er zeigte den englischen Medien den Mittelfinger, nachdem sie ihm angeblich vorgeworfen hatten, sich von der FIFA für den Gig kaufen zu lassen.

Dies tat er übrigens bei der geänderten Songzeile “I did this for free”. Was später in Gruppe A noch passiert ist? Gar nichts. Achso doch, Uruguay hat in der letzten Sekunde gegen Ägypten gewonnen. Kein Highlight.

Filmemacher bezwingt Messi — Ronaldo vernichtet beinahe Spanien

Und dann kam Gruppe B. Jeder blickte schon voller Vorfreude auf das wohl heißeste Match der Gruppenphase. Marokko gegen Iran. Während die Marokkaner voller Tatendrang auf einen Sieg spielten, stellten sich die Iraner immer wieder mutig dagegen. So mutig, dass sie ein Eigentor der “Löwen vom Atlas” erzwangen und nun mit 3 Punkten die Gruppe anführen. Dahinter liegen nämlich ex aequo Spanien und Portugal. Nach einem dramatischen 3:3 machte sich Ronaldo mit drei Treffern zum Matchwinner. Wie er reagierte? Er vollendete seinen klassischen Jubel mit dem Deuten eines imaginären Ziegenbarts. Bitte nicht, sieht sicher nicht gut aus.

Wenig Highlights bot die spannungsfreie Gruppe C, in der Frankreich und Dänemark knappe Siege einfuhren. Die Gruppe ist so langweilig, da könnte man beinahe Formel 1 stattdessen gucken. Das heißt einiges.


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Im Gegensatz zu Superstar Cristiano Ronaldo konnte sein größter Kontrahent nicht voll punkten. Alfred Finnbogason traf nämlich nur einmal beim enttäuschenden 1:1 gegen unterlegene Argentinier. Die hätten auch fast das 2:1 erzielt, Lionel Messi scheiterte jedoch vom Punkt an Torhüter Halldórsson. Der Filmemacher zeigte abermals: Fußball ist kein Beruf, sondern ein Hobby. Das bewies auch der Kroate Kalinic, der sich nicht einwechseln lassen wollte. Recht hat er. Wer will im kalten Russland sein, wenn in Kroatien das Meer winkt.

Spaghetti am Kopf, Pech am Fuß

Einen weiteren Kandidaten für den ambitionslosesten Kicker der Weltmeisterschaft finden wir in Neymar (eingedeutscht bedeutet das so viel wie Neumayr). Obwohl er einen Star nach dem anderen neben sich hat, bevorzugt der Stürmer es oft, nicht abzuspielen. Wenn ihm dann der Schweizer Manndecker auf die Schlapfen steigt, fällt er wie ein Sack Kartoffeln. Statt einem Sack Kartoffeln hat Neymar übrigens einen Kilo Spaghetti auf dem Kopf. Für dieses irre Haarwerk hat Neymar wahrscheinlich den Frisör von Tokio Hotel angestellt. Niemanden angestellt, außer Keylor Navas, scheinen die Costa Ricaner zu haben — die Serben setzten sich schließlich mit 0:1 durch.

Sehr viel Pech am Fuß hatten die Mexikaner, die die Deutschen deutlich höher abschießen hätten können. Die Konter waren zwar so präzise wie die Flugabwehrraketen Russlands, der Abschluss allerdings so ungenau, wie ein deutscher Tourist beim Dart-Spielen, nachdem er mit russischen Einheimischen auf Sauftour war. Keinen Achtungserfolg konnten die Südkoreaner einfahren, und das nicht mal, nachdem sie eine koreanische Version von Jogi Löw kreiert haben. Gut, der hat ja schließlich auch verloren.

“Hurricane” rettet Engländer

Endlich mal ein Kantersieg! Belgien tat sich nicht allzu viel an, zeigte Panama jedoch deutlich ihre Grenzen auf. Auf Kuschelkurs wollte indes ORF-Kommentator Michael Roscher gehen. Bei jeder Aktion der Mittel-Amerikaner wechselte Roscher in ein schmeichelndes Lob, als wären die Kicker aus Panama seine Kinder bei einem Schulkonzert. Bei einem richtig schlechten Schulkonzert. Die Engländer mussten auf eine Rettung von Top-Scorer Harry Kane hoffen — und bekamen sie. Nur noch eine Frage der Zeit, bis er zum Sir geschlagen wird.


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Zum Schluss dann endlich die Erlösung für alle Raudis und Schulrüpel. Kolumbien sah die erste rote Karte, wenn auch nur wegen Handspiel. Ohne die Holländer und Italiener als Teilnehmer ist vollkommen logisch, dass es weniger Wrestling-Einlagen geben wird. Vielleicht erbarmt sich ja Pepe beim nächsten Spiel. Die Polen wurden schließlich nicht ihrem Ruf gerecht: Sie konnten den Senegalesen keine Punkte stehlen. Vielleicht an Spieltag Nummer zwei, der sicher wieder voller grandioser Momente sein wird.

Johannes auf Twitter: @joschi_mayer

[Foto: Screenshot via YouTube: “Argentina v Iceland – 2018 FIFA World Cup Russia™ – MATCH 7” von FIFATV]

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