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Die Kultort WM-Awards: Spieltag 2

Die Kroaten blühen zu einem Top-Favoriten auf, Argentinien steckt in der Krise und in Gruppe H dominieren die Außenseiter

Die Kultort WM-Awards: Spieltag 2 25. Juni 2018Leave a comment

Am zweiten Spieltag gab es zwar weniger Überraschungen, jedoch ist in den meisten Gruppen noch sehr viel möglich. Als Ré­su­mé jedes Spieltages verteilen wir fünf Awards — kollektiv als auch individuell. Hier sind die Kultort WM-Awards für den zweiten Spieltag der Fußball-WM 2018:


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Spieler der Runde: Ahmed Musa

Nach der Niederlage gegen Kroatien stand Nigeria enorm unter Druck. Mit einer Schlappe gegen die Isländer hätten sich die “Super Eagles” frühzeitig von der WM verabschieden müssen. In der ersten Halbzeit sah es auch danach aus, als die Isländer mehr vom Spiel hatten und Nigeria keinen Torschuss abgeben konnte. In der zweiten Halbzeit schlug dann die Stunde von Ahmed Musa.

Gegen Kroatien erst in der 62. Minute eingewechselt, durfte Musa am zweiten Spieltag von Beginn an auflaufen. Coach Gernot Rohr wollte mit einem dribbelstarken und schnellen Stürmer zum Erfolg kommen — dies gelang dem ZSKA-Stürmer fulminant. Zunächst verwertete er eine Moses-Flanke mit einem einwandfreien Abschluss zum 1:0. Kurz danach traf er die Querlatte, vier Minuten nach der Führung setzte er sich mit einem Tempo-Dribbling durch und überwand Tormann Halldorsson.

Mit vier Treffern ist Musa der erfolgreichste Torschütze Nigerias bei Weltmeisterschaften. Gegen Argentinien wird er wieder im Blickpunkt stehen — seine restlichen zwei Treffer gelangen ihm beim 2:3 gegen Argentinien bei der WM 2014. Ein gutes Omen?

Team der Runde: Kroatien

Alle vier Jahre zählen die Kroaten zu den Geheimfavoriten auf den WM-Pokal, nach dem zweiten Spieltag entlarvten sie sich heuer als Top-Favorit. Gegen die “Gauchos” fuhren sie einen souveränen 3:o-Erfolg ein, in jedem Aspekt ein verdienter Sieg. Nach der ausgeglichenen und torlosen ersten Hälfte konnte Ante Rebić den desaströsen Patzer von Willy Caballero mit einem fulminanten Volley zur Führung nutzen. Anschließend präsentierten sich die Kroatien rundum dominant. Nach dem Weltklasse-Schuss von Modrić setzte Rakitić dem Spiel mit dem 3:0 das i-Tüpfelchen drauf.


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Jeder Trainer schwärmt von einem Mittelfeld mit Modrić und Rakitić. Auch in dieser Partie dominierten sie mit sicherem Passspiel, hoher Kreativität und guter Strategie. Darüber hinaus beweisen beide, dass sie durch Einzelaktionen Spiele entscheiden können. Des Weiteren besticht der kroatische Kader in seiner Breite durch hohe Qualität — sei es Mandzukić im Sturm, Brozović als Sechser oder Lovren als Abwehrchef. Im Gegensatz zu anderen Favoriten wirkt die Teamchemie hoch. Trainer Zlatko Dalić schaffte es, die starken Einzelkicker zu einer harmonierenden Mannschaft zu formen. Nun gilt es, auch in der K.-o.-Phase im Gegensatz zu den letzten Turnieren die Form beizubehalten.

Überraschung der Runde: Gruppe H

Im Vorfeld der Endrunde galt die Gruppe H als relativ ausgeglichen, nichtsdestotrotz waren Polen und vor allem Kolumbien die ehesten Favoriten für den Achtelfinaleinzug. Nun stehen aber Senegal und Japan (beide mit vier Punkten) ex aequo auf dem ersten Platz. Dahinter befinden sich die Kolumbianer nach dem klaren 3:0-Sieg gegen Polen am dritten Platz, das Team um Robert Lewandowski hat nach den zwei Niederlagen keine Chance mehr auf den Aufstieg.

Polen konnte in beiden Spielen gegen Senegal und Kolumbien nicht überzeugen, offensiv waren sie schlichtweg zu harmlos, defensiv zu anfällig. Die Senegalesen hingegen erfreuten viel öfter das Fußballherz, indem Sadio Mané und Co. ihre technische Finesse in schöne Aktionen verwandelten. Im taktischen Bereich zeigten sie jedoch, wie beispielsweise beim Japan-Gegentor, einige Mängel.

Japan wirkte bisher spielerisch zwar um eine Spur schlechter, besitzt jedoch einen großen Willen, indem sie gegen Kolumbien noch den Sieg holen konnten und gegen Senegal spät, aber verdient, den Ausgleich erzielten. Größter Favorit auf den Aufstieg bleibt dennoch Kolumbien, gegen Polen zeigten sie phasenweise ihre hohe Qualität — Senegal muss sich gegen die “Cafeteros” nochmals steigern.

Spiel der Runde: Serbien vs. Schweiz

Im Vorfeld der Partie bot diese Begegnung bereits Brisanz. Denn voraussichtlich würde eines der beiden Teams neben Brasilien das Achtelfinal-Ticket lösen. Da die Startelf der “Nati” mit vier Schweizern kosovarischer Abstammung gespickt war, drohte es aufgrund des Kosovo-Konflikts auch politisch zu werden. Während serbische Fans mit verächtlichen Schmähgesängen auffielen, jubelten die beiden Torschützen Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka mit der Geste des albanischen Doppeladlers — konzentrieren wir uns jedoch auf die fußballerischen Aspekte.

Serbien startete besser in die Partie und ging nach einem Kopfball von Aleksandar Mitrović (5.) in Führung. Infolgedessen hatte die Schweiz mehr vom Spiel, wurde aber zu selten gefährlich, wohingegen Serbien meist ihre Lufthoheit bei Flankenbällen unter Beweis stellen wollte. Nach der Pause dann der Ausgleich: Xhaka (52.) egalisierte mit einem Gewaltschuss das Ergebnis. Beide Teams schenkten sich anschließend nichts, versuchten auch immer wieder offensiv Akzente zu setzen, mit dem besseren Ende für die “Nati”. Shaqiri vollendete einen mustergültigen Konter zum 2:1. Selten gab es bisher bei dieser WM ein Spiel zwischen ebenbürtigen Gegnern, denen beiden ein Wille zum Sieg auch fußballerisch anzumerken war.

Enttäuschung des Turniers: Argentinien

Kann Messi seine Karriere mit dem WM-Pokal krönen? Momentan sieht es für den vierfachen Ballon-d’Or-Gewinner düster aus. Nach dem 1:1 gegen Island enttäuschten die Südamerikaner um “La Pulga” abermals. Nach dem 0:3 gegen Kroatien stehen die “Gauchos” nun endgültig mit dem Rücken zur Wand, müssen sie für den Aufstieg noch gegen die Nigerianer gewinnen. Doch wie sind dieser Leistungsabfall und die negative Form zu erklären?

Viele sehen in Trainer Jorge Sampaoli das größte Problem, das auch zurecht. Nominell als der beste Sturm der Welt bezeichnet, konnten die Argentinier gegen Kroatien selten für Gefahr sorgen. Das Spiel sei viel zu viel auf Messi zugeschnitten, jener soll auch hinsichtlich der Aufstellung ein Riesenwort mitreden dürfen. Paulo Dybala, Gonzalo Higuain und Giovani Lo Celso schmoren auf der Bank, Mauro Icardi durfte gar nicht seine Koffer für Russland packen. Durch den Verzicht auf solche Stars steht Sampaoli in der Kritik. Denn er holt nicht das Optimum aus seiner Mannschaft heraus, vielmehr beraubt der Trainer sich und der Mannschaft einiger seiner stärksten Waffen.


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Das Mittelfeld und die Verteidigung besteht teils nur aus überdurchschnittlich guten Spielern. Zu wenig für einen eigentlichen Titelkandidaten, dem es letztendlich aber unter anderem an der Teamchemie fehlt. Will Messi der “GOAT” werden, muss er einerseits spielerisch die Mannschaft tragen, andererseits liegt es auch an ihm, sein Ego für ein funktionierendes Mannschaftsgefüge zurückzuschrauben — ein Charakteristikum für einen Führungsspieler.

Christian auf Twitter: @ch_haslinger9

[Foto: Screenshot via YouTube: “Croatia v Nigeria – 2018 FIFA World Cup Russia™ – Match 8” von FIFATV]

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