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Die Kultort WM-Awards: Spieltag 3

Der Trend der verpatzten Titelverteidigung hält weiter an

Die Kultort WM-Awards: Spieltag 3 29. Juni 2018Leave a comment

Ressortleiter Sport

Der dritte Spieltag bot uns faustdicke Überraschungen und bittere Enttäuschungen. Als Résu­mé jedes Spieltages verteilen wir fünf Awards — kollektiv als auch individuell. Hier sind die Kultort WM-Awards für den dritten Spieltag der Fußball-WM 2018:


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Spieler der Runde: Yerry Mina

Es war keine Runde der herausragenden Spieler. Starke Mannschaftsleistungen ermöglichten dominante Auftritte (wie Schweden), Kampf und Wille entschieden knappe Partien (wie der Last-Minute-Sieg Argentiniens über Nigeria).

Herausragend war auch im Spiel Kolumbien gegen Senegal niemand. Dass die Südamerikaner nach verpatztem WM-Start dennoch als Gruppensieger dastehen, haben sie Yerry Mina zu verdanken.

Nachdem Superstar James Rodriguez bereits nach einer halben Stunde verletzt vom Feld musste, verabsäumten gestandene Spieler wie Radamel Falcao oder Juan Cuadrado, das Match an sich zu reißen und den Sieg zu erzwingen. Einzig Juan Quintero konnte in der Offensive an seine starken Leistungen anknüpfen. Er war es auch, der den entscheidenden Eckball in den senegalesischen Strafraum zirkelte.

Der 23-jährige Mina setzte sich in der Luft durch und drückte den Ball präzise und wuchtig unter die Latte. Weil Japan im Parallelspiel nicht punktete, besiegelte der Treffer den Gruppensieg. Yerry Mina setzte ein Ausrufezeichen in Richtung Katalonien. Beim FC Barcelona hofft der Kolumbianer nächste Saison auf mehr Einsatzzeit. Seine 100-Millionen-Ausstiegsklausel hat er zumindest gerechtfertigt.

Team der Runde: Iran

Schweden oder Uruguay wären mit ihren 3:0-Siegen und dem jeweiligen Gruppensieg die offensichtlicheren Picks gewesen. Elf tragische Helden kämpften aber bis zur allerletzten Sekunde um den Aufstieg in einer Gruppe, in der ihnen nicht einmal die kühnsten Optimisten den Hauch einer Aufstiegschance gaben. Deswegen ist der Iran das Team der Runde.

Vor dem Turnier ging jeder von einem Zwei-Klassen-Mächteverhältnis aus, doch keines der sechs Gruppenspiele sollte eine klare Angelegenheit werden. Selbst vor dem letzten Spieltag sprachen viele Experten von einem Fernduell um den Gruppensieg, als hätte uns der Fußball nicht schon oft genug eines Besseren belehrt. Am Ende fehlten Vahid Amiri ein paar Zentimeter, um sich unsterblich zu machen und den Iran zum ersten Mal für ein WM-Achtelfinale zu qualifizieren.

Fußballerisch war der Iran weder gegen Portugal noch im gesamten Turnierverlauf überragend. Ein Ausscheiden einer der iberischen Top-Teams wäre ein größerer Verlust für das Turnier gewesen. Doch können sowohl der Iran als auch Marokko erhobenen Hauptes die Heimreise antreten. Sie waren eine Bereicherung für die Weltmeisterschaft.

Überraschung der Runde: Deutschland scheidet aus

Nach der Niederlage gegen Mexiko meinte man: “Das kann passieren, die Deutschen biegen das wieder hin!” Sechs Tage später kam das Selbstbewusstsein am Feld wieder zurück: “Siehste, geht doch!” Nun ist es Gewissheit — nach Italien 2010 und Spanien 2014 verlässt auch Deutschland als Titelverteidiger bereits in der Gruppenphase das Turnier.


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Dabei war die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag recht vielversprechend. Ein Sieg gegen Südkorea würde aller Voraussicht nach reichen, mit zwei Toren Unterschied wäre die Sache unter Dach und Fach. Torlose Halbzeiten in beiden Matches, soweit so gut. Drei schwedische Tore änderten die deutsche Aufgabe nur minimal, der entscheidende schwarz-rot-goldene Treffer wollte aber einfach nicht gelingen.

Um nicht ins Phrasenschwein einzahlen zu müssen, ganz kurz: Südkorea traf doppelt und verstummte ein ganzes Land, das trotz all der Kritik, trotz all der unzufriedenen Meinungskundgebungen wohl nicht im Entferntesten an ein so jähes Ende der Titelträume geglaubt hätte.

Jetzt heißt es in Deutschland Neuanfang. Vermutlich mit Leroy Sané, eher ohne Jogi Löw.

Spiel der Runde: Nigeria vs. Argentinien

Um ein Haar wäre auch Deutschlands Finalgegner von 2014 vorzeitig ausgeschieden. Am Ende war es Verteidiger Marcos Rojo, der Argentinien vier Minuten vor Schluss doch noch erlöste. Diego Maradona zeigte sich in der Tribüne als schlechter Gewinner.

Gleich zu Beginn ließ Lionel Messi endlich seine Klasse aufblitzen, stoppte einen hohen Steilpass von Éver Banega und schloss die Aktion erfolgreich ab, als gäbe es nichts Einfacheres. Auch in weiterer Folge spielten die “Gauchos” weit offensiver, attraktiver, aber auch risikofreudiger als in den ersten beiden Matches. So kam es, dass die Nigerianer, die immer wieder gefährlich vor das argentinische Tor gekommen waren, den Ausgleich per Elfer erzielten. Ausgerechnet Routinier Javier Mascherano beging das völlig unnötige Foul im Strafraum.

Womöglich spielentscheidend war abermals der Videobeweis, als Schiedsrichter Cakir ein Handspiel von Rojo nicht ahndete — zur Verwunderung vieler gab es bei dieser WM doch schon weit kleinere Vergehen, die nach Videoüberprüfung zu Elfmetern geführt hatten. Der verschonte Übeltäter brach die nigerianischen Herzen wenig später mit einem wuchtigen Schuss ins untere Eck.

Nicht nur durch ihr prachtvolles Trikot dürfte Nigeria bei dieser WM viele neue Fans gewonnen haben, selbst wenn die tollen Auftritte nicht mit dem Aufstieg belohnt wurden. Argentinien wiederum wird sich steigern müssen, wenn im Laufe des Turniers härtere Aufgaben folgen. Mit Frankreich wartet nun ein weiterer Mitfavorit, der bisher unüberzeugend auftrat.

Enttäuschung der Runde: Frankreich & Dänemark

Keiner ist in diesen Tagen enttäuschter, als unsere deutschen Nachbarn. Der Award für die erbärmlichste Darbietung der Runde geht diesmal trotzdem an zwei Mannschaften, die bisher keinen Platz in unserer wöchentlichen Preisverleihung gefunden haben. Zurecht, schließlich gab es über Dänemark und Frankreich bisher wirklich nichts Berichtenswertes. “Les Bleus” lieferten uns 270 Minuten lustloses Gekicke, gerade bemüht genug, um die deutlich schwächeren Gegnern in Schach zu halten.

Gegen Dänemark reichte ein 0:0 für den Gruppensieg. Genau darauf spielte man. Der skandinavische Gegner — nunmehr seit 18 Spielen unbesiegt — hatte den Aufstieg dank peruanischer Schützenhilfe ziemlich schnell in der Tasche. Ein engagierter Kampf um den Gruppensieg wäre die einzig logische Schlussfolgerung gewesen. Was folgte war absolut nichts. Ein Spiel, dessen Sendeplatz in der 47. Wiederholung einer x-beliebigen Scrubs-Folge besser aufgehoben gewesen wäre.

Philipp auf Twitter: @Philipp_Lou

[Foto: Screenshot via YouTube: “Korea Republic v Germany – 2018 FIFA World Cup Russia™ – Match 43” von FIFATV]

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