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Alles, was ihr über das WM-Viertelfinale wissen müsst

Frankreich ist heiß, Belgien fordert Brasilien und Gastgeber Russland hat noch nicht genug

Alles, was ihr über das WM-Viertelfinale wissen müsst 5. Juli 2018Leave a comment

Ressortleiter Sport

Nur noch acht der 32 Teilnehmer rittern um den Weltmeistertitel. Wer schafft den nächsten Schritt in Richtung Unvergesslichkeit? Für wen endet die Reise? Wir wagen unsere Prognosen für alle Viertelfinal-Begegnungen:


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Uruguay vs. Frankreich (6. Juli, 16:00 Uhr)

Die Franzosen sind da! Innerhalb von elf Minuten erzielten “Les Bleus” genauso viele Tore wie in der gesamten Gruppenphase und besiegelten damit das Ausscheiden von Argentinien. Bei all der berechtigten Euphorie sollte man allerdings bedenken, dass Argentinien nicht nur in schlechter Form war, sondern auch der maßgeschneiderte Gegner für das System von Didier Deschamps. Dadurch dass die argentinischen Reihen in ihrer natürlichen Position weitaus höher verteidigten und früher attackierten als Frankreichs Gruppengegner, eröffnen sich viel mehr Räume für schnelle Außenspieler wie Kylian Mbappé. In ihrem klassischen 4-3-3-System konterten die Franzosen ihren Gegner eiskalt aus — genau das war der Spielplan.

Gegen Uruguay wird dieser Plan allerdings nicht aufgehen. Die Südamerikaner agieren nicht nur defensiver und risikoärmer als Argentinien, sie spielen auch ohne Ballbesitz und überlassen dem Gegner den Spielaufbau — ähnlich wie Frankreich. Gegen Portugal, einer Mannschaft mit demselben Mindset, die bisher nur gegen den Iran mehr Spielanteile hatte, brachte es Uruguay gerade einmal auf 39 % Ballbesitz, via transfermarkt.at. Alles Kalkül, denn selbst gegen weitaus schwächere Gegner wie Saudi-Arabien überlässt das Team von Óscar Tabárez dem Gegner meistens das Spiel.

Das ähnliches Spielprinzip der beiden Teams droht ein unattraktives Fußballmatch zu ergeben. Am ehesten wird Frankreich widerwillig das Spiel in die Hand nehmen, wie es gegen Dänemark der Fall war. Mit Ballbesitz waren die Franzosen bisher erschreckend ungefährlich. Mehr Risiko werden die Europäer deshalb natürlich nicht eingehen. Uruguay startet als Außenseiter in die Begegnung, solange es 0:0 steht, ist eine Änderung des Systems ebenfalls unwahrscheinlich. Damit wir das Achtelfinal-Frankreich und nicht das Gruppenphasen-Frankreich zu Gesicht bekommen, muss wohl ein frühes Tor fallen.

Kultort-Tipp: 0:1

Brasilien vs. Belgien (6. Juli, 20:00 Uhr)

Knapp 69 Minuten lang sah alles danach aus, als wäre die belgische Tormaschinerie ins Stocken geraten. 25 Minuten reichten den “Roten Teufeln”, um uns eines Besseren zu belehren. Belgien steht nach vier Spielen bei unglaublichen zwölf Toren, wirklich überraschend ist das aber nicht. In den zehn Matches vor der Weltmeisterschaft durfte das Team durchschnittlich 3,4-mal jubeln. Wie facettenreich die Torgefahr Belgiens ist, sieht man an den acht verschiedenen WM-Torschützen. Dabei ist der erfolgreichste davon (Romelu Lukaku) mit vier Treffern noch im Rennen um den Torschützenkönig.

Eine Fortsetzung des Offensivtrends ist in dieser Form dennoch nicht garantiert. Brasilien kassierte bei dieser WM bisher nur ein Tor, kein einziges aus dem Spiel heraus. Ein wichtiger Stabilitätsfaktor war bisher Casemiro, der den Brasilianern mit einer Gelbsperre gegen Belgien fehlt. Ein einziges Mal ließ sich der Sechser im gesamten Turnierverlauf den Ball abnehmen. Auch gegen Mexiko war der Real-Star sehr präsent — sechs erfolgreiche Tackles und drei geklärte Bälle bei einer Passquote von 90 %. Außerdem gewann Casemiro jedes seiner drei Luftduelle, via whoscored.com. Ohne ihren Staubsauger sollte sich Brasilien gegen das technisch starke Mittelfeld rund um Kevin De Bruyne und Eden Hazard etwas überlegen.

Offensiv muss sich die “Selecao” weniger Sorgen machen. Philippe Coutinho und Neymar trafen bereits jeweils zweimal, Gabriel Jesus war weniger erfolgreich, ist aber immer für ein Tor gut. Dazu haben die Südamerikaner den Luxus, Waffen wie Roberto Firmino von der Bank zu bringen. Bleibt zu hoffen, dass beide Mannschaften weiterhin Risikobereitschaft zeigen und sich nicht neutralisieren. Es könnte ein absolutes WM-Highlight werden.

Kultort-Tipp: 2:3 n.V.


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Schweden vs. England (7. Juli, 16:00 Uhr)

Viel wurde über den gebrochenen Elfer-Fluch berichtet, euphorische Engländer zeigen sich bereits jetzt siegessicher, wer soll sie denn jetzt noch aufhalten? Die Realität hinter dem (zugegebenermaßen verständlichen) Ausnahmezustand auf der Insel ist etwas ernüchternder. Toll war die Darbietung der “Three Lions” keineswegs. Das Spiel gegen Kolumbien erinnerte stark an die erste Performance der Engländer gegen Gruppengegner Tunesien. Druckvolle Anfangsphase, danach unattraktiver Fußball, ohne wirkliche Chancen aus dem Spiel heraus. Retteten gegen Tunesien zwei Kane-Tore nach Eckbällen die drei Punkte, so musste es der Kapitän gegen Kolumbien nach strittiger Entscheidung vom Elferpunkt richten. Nur zwei Schüsse brachte das englische Nationalteam in 120 Minuten auf den Kasten von Arsenals Back-up-Goalie David Ospina.

Viel mehr Räume werden sich auch gegen Schweden nicht ergeben. Weniger robust werden die Skandinavier nicht zu Werke gehen. Wer hätte es ahnen sollen, dass Schweden ohne Zlatan Ibrahimovic funktionieren könne, ja sogar als stärkere Einheit agieren würde? Eigentlich jeder. Denn jetzt kann sich die “Blågult” auf das konzentrieren, was sie am besten kann. Beziehungsweise auf das einzige, was sie wirklich kann: Verteidigen. Ohne Offensiv-Superstar wird geduldig und geordnet in der eigenen Hälfte abgewartet, bis sich Möglichkeiten ergeben oder der Gegner Fehler produziert. Den Ball hatte Schweden gegen Deutschland, Mexiko und die Schweiz nie mehr als 33 % der Spielzeit, gegen England wird sich das nicht ändern.

Weder schnelle Umschaltsituationen noch Brechstangenfußball werden für England das Mittel zum Erfolg werden. Man wird das Spiel der Schweden wohl oder übel annehmen müssen und versuchen, durch geduldige, aber zielstrebige Kombinationen die individuelle Überlegenheit auszunutzen, wie es Deutschland in ihrem einzigen positiven WM-Erlebnis zu schaffen vermochte. Gut wird die Partie nur bei einem schnellen englischen Tor, dann aber möglicherweise einseitig. Viel wahrscheinlicher ist ein sterbenslangweiliger 120-Minuten-Kick, der durch einen Lucky-Punch oder ein Elfmeterschießen entschieden wird.

Kultort-Tipp: 0:1

Russland vs. Kroatien (7. Juli, 20:00 Uhr)

Der Rauswurf von Trainer Lopetegui könnte der Grund für das Versagen Spaniens gewesen sein, vielleicht lag die Ideenlosigkeit aber auch an den Spielern selbst. Oder es waren die russischen Heimfans, die ihrer Mannschaft die Extraportion Willen für das Elfmeterschießen mitgegeben haben. All das ist jetzt belanglos, die “Sbornaja” ist nur mehr zwei Spiele von der absoluten Sensation entfernt. Wie erwartet stellte sich der Gastgeber gegen den Favoriten von Beginn an hinten hinein, der spanische Ballbesitzfußball kam ihnen gelegen, den Ball wollten sie ohnehin nicht in den eigenen Reihen sehen.

Ähnlich wird es die Mannschaft nun auch gegen Kroatien handhaben. Luka Modrić und seine Mannen dürften erneut massive Schwierigkeiten haben, die gegnerische Abwehrreihen zu überwinden. Was gegen Dänemark gerade noch gutgegangen ist, muss gegen den Gastgeber in vielen Bereichen verbessert werden. Anfangs konnte man hinter dem unkonventionellen Spiel der Kroaten noch geplanten Variantenreichtum vermuten, mit Fortdauer des Spiels entpuppten sich die abwechselnd hohen Bälle nach vorne und phasenweisen langen Ballstaffeten im ungefährlichen Mittelfeld als Konsequenz absoluter Ideenlosigkeit. Der designierte Kreateur Luka Modrić brachte (für ihn ungewohnt schwache) 81 % seiner Pässe an den Mann, via whoscored.com.

Grund zur Sorge muss man bei den Kroaten trotz des schwachen Achtelfinalauftritts nicht haben. In fast allen Offensivkräften steckt ein Geniestreich, eine Einzelaktion, ein Dribbling, ein Weitschuss, der das Spiel zur ihren Gunsten entscheiden kann. Russland muss es erneut über den Kampf versuchen. So ungefährlich die Spanier gegen den Gastgeber in Summe auch waren, ein weiteres Spiel, bei dem der Gegner 23 Torschüsse abfeuert und 19 Chancen kreiert (via whoscored.com), übersteht Russland beim besten Willen nicht. Schon gar nicht, wenn man selbst wieder nur einen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor bringt.

Kultort-Tipp: 0:2

Philipp auf Twitter: @Philipp_Lou

[Foto: Screenshot via YouTube: “Colombia v England – 2018 FIFA World Cup Russia™ – Match 56” von FIFATV]

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