Fußball Fußball-WM 2018 Sport

Die Kultort WM-Awards: Achtelfinale

Das Achtelfinale zeigte sich einmal mehr als Auftakt der heißen Phase der Weltmeisterschaft

Die Kultort WM-Awards: Achtelfinale 5. Juli 2018Leave a comment

Der Beginn der K.-o.-Phase bescherte uns knappe Schlagabtäusche, einige Schützenfeste sowie die ein oder andere (Fast-)Überraschung. Als Résu­mé jedes Spieltages verteilen wir fünf Awards — kollektiv als auch individuell. Hier sind die Kultort WM-Awards für das Achtelfinale der Fußball-WM 2018:


MEHR: Alles zur Fußball-WM 2018 auf kultort.at


Spieler der Runde: Edinson Cavani

In der Gruppenphase wollte der 31-Jährige noch nicht wirklich zünden, lediglich ein Tor im Spiel gegen Russland konnte der Stürmerstar Uruguays erzielen. Durch dieses Tor scheint Edinson Cavani seine Ladehemmung überwunden zu haben. Nach sieben Minuten überwand er mit mehr Gesicht als Kopf Rui Patrício, ehe er nach dem Ausgleich Portugals den Ball mustergültig ins lange Eck schlänzte (62.).

Abermals zeigte sich, dass Uruguay vor allem aufgrund seiner starken Defensive zum Favoritenkreis zählt. Die “Celeste” spielt sich meist weniger Torchancen (3 Schüsse aufs Tor gegen Portugal) als andere Top-Teams heraus. Darum müssen die Möglichkeiten umso besser genutzt werden — was bisher gelingt. Denn mit Edinson Cavani und Luis Suarez verfügen die Südamerikaner über eines der besten Duos ihrer Zunft.

Gegen Frankreich ist der Auftritt von Cavani jedoch mehr als fraglich. Nach der zugezogenen Verletzung geben ihm wenige Medien die Chance auf einen Starteinsatz. Der Star wird aller Voraussicht nach von der Bank starten. Dem PSG-Stürmer wäre es jedenfalls zu gönnen, dass er auch gegen Frankreich zeigen darf, welche Offensivwaffe er darstellt.

Team der Runde: Brasilien

Technische Finesse, eine schier unüberwindbare Defensive, sowie Kaltschnäuzigkeit. Der Weltmeister von 2002 konnte sich gegen mutige Mexikaner mit einem staubtrockenen 2:0 durchsetzen. Anfangs bereitete der “Seleção” das aggressive Gegenpressing der Mittelamerikaner große Sorgen, welches letztendlich aber sukzessive nachließ. In der zweiten Halbzeit konnten sie zwei ihrer wenigen nennenswerten Chancen nutzen und treffen nun auf das erste wirkliche Kaliber namens Belgien.

Die Offensivriege rund um Neymar, Willian, Philippe Coutinho sowie Gabriel Jesus ist immer für ein Tor gut. Im zentralen Mittelfeld bestimmen Casemiro (für das Viertelfinale gesperrt ist) und Paulinho das Tempo und sichern gekonnt vor der Abwehr ab. Dahinter lassen die Hünen Thiago Silva und João Miranda so gut wie nichts zu. Neben Uruguay können die Brasilianer wohl die beste Defensive vorweisen, ließen sie doch erst ein Tor zu, welches eigentlich nicht zählen hätte dürfen.

Eben jene Balance zwischen den Künstlern in der Offensive und der robusten Defensive macht die Brasilianer zu den Titelfavoriten schlechthin. Darüber hinaus weist die Mannschaft enorme Zielstrebigkeit auf, welche sich durch (meist) souveränes Auftreten sowie gnadenloser Effektivität ausdrückt. Nun gilt es abzuwarten, ob selbige auch gegen die wirklichen Brocken gezeigt werden kann.

Überraschung der Runde: England bricht den Elfmeter-Fluch

Die Briten stehen im Viertelfinale. An sich keine wirkliche Überraschung, denn der Kader der “Three Lions” besticht durch große Klasse. Doch die Überraschung: Erstmals bei einer WM konnten die Briten durch den Sieg in einem Elfmeterschießen aufsteigen.

Die 120 Minuten waren von Licht und Schatten geprägt. Gegen die Kolumbianer traten die Engländer dominant auf, ehe sie im Fortlauf der zweiten Hälfte immer mehr in Bedrängnis gerieten und den Ausgleich hinnehmen mussten. Nach torloser Verlängerung rechneten wohl viele — darunter auch die Fans der Briten — mit dem für sie so typischen Ausscheiden. Witziger Fun-Fact:

Doch die Mannen um Harry Kane zeigten starke Elfmeter. Lediglich jener von Jordan Henderson wurde aus dem Eck gefischt. Danach stilisierte sich der Querbalken sowie Jordan Pickford als Retter Englands hoch, ehe Eric Dier den entscheidenden Penalty verwandelte. Nun sieht es für die Briten gut aus, konnten sie ihr Stigma durch diese Sensation ablegen.

Spiel der Runde: Frankreich vs. Argentinien

Vor dem Spiel dieser Giganten standen zunächst ihre enttäuschenden Vorstellungen der Gruppenphase im Mittelpunkt. Anfangs zeigte jedoch vor allem Frankreich, dass die bisherigen langweiligen Auftritte nicht ihr wahres Gesicht sind. Mann des Spiels war der junge Kylian Mbappé, der den Elfer zum 1:0 nach einem grandiosen Highspeed-Dribbling herausholte. Argentinien konnte entgegen des Spielverlaufs durch einen Kracher von Angel Di Maria ausgleichen, ehe die “Albiceleste” kurz nach der Pause sogar die Führung erzielte.

Es folgte ein Schlagabtausch. Zuerst wuchtete Benjamin Pavard per Außenrist den Ball zum Ausgleich ins Netz, ehe Kylian Mbappé für die erneute Führung Frankreichs sorgte. Die Vorentscheidung wurde durch einen Musterkonter wieder von Mbappé sehenswert abgeschlossen. Erst in der Nachspielzeit konnte Sergio Agüero den zu späten Anschlusstreffer zum 4:3 erzielen. Insgesamt präsentierten sich die Argentinier nicht gut genug. Besonders bitter für Lionel Messi, für den der WM-Titel nun in weite Ferne gerückt ist.


MEHR: Kylian Mbappé, der jugendliche Routinier


Vor allem die zweite Hälfte bescherte den Fans einen wunderbaren Einstand zur K.-o.-Phase. Mit Sicherheit war es auch der mangelnden Defensivleistung der Argentinier geschuldet. Nichtsdestotrotz zeigten “Les Bleus”, allen voran Kylian Mbappe, dass sie jede Unachtsamkeit ausnützen können — oder durch individuelle Extraklasse jederzeit für ein Tor gut sind. Das müssen sie nun gegen Uruguay beweisen, denn diese Defensive wird weit weniger zulassen.

Enttäuschung der Runde: Spanien

Rein nominell betrachtet war Spanien einer der Hauptfavoriten auf den Titel, konnte jedoch bei keinem Spiel wirklich überzeugen. Somit kann diese WM als eine weitere Enttäuschung der “Furia Roja” bei Großereignissen hinzugefügt werden. Trotz hohem Ballbesitz und herausragender Passquote verkörperte die Offensive zu viel Harmlosigkeit . 74 % Ballbesitz , sowie 1.137 Pässe in den 120 Minuten schießen ohne wirkliche Durchschlagskraft keine Tore.

Nun gilt es für die nächsten Jahre ein neues taktisches Konzept zu entwickeln. Das Tiki-Taka, welches schon seit mehreren Jahren in der Praxis immer weniger funktioniert, muss sich dem schnell verändernden Fußball besser anpassen. Dafür braucht es den richtigen Trainer, denn Fernando Hierro wird nach der mehr als bescheidenen WM nicht mehr Coach sein. Denn eines kann man nach dem überraschenden Rausschmiss von Julen Lopetegui zwei Tage vor der WM behaupten: Egal, wie gut die Spieler sind — der Trainer ist ein wesentlicher Faktor für Erfolg.

Bis zur EURO 2020 muss der Umbruch vom Team aus ehemaligen Europa- und Weltmeistern hin zu der jüngeren Generation endgültig durchgeführt werden. Das Spielermaterial dafür ist jedenfalls gegeben, denn jede Generation aus Spanien ist mit unvergleichbaren Talenten gesegnet. Es muss jedoch ein neues taktisches Konzept entstehen. In der Vorbereitung schien diese Neuausrichtung Früchte zu tragen, der Trainer sollte dann aber auch beim Turnier an der Seitenlinie stehen.

Christian auf Twitter: @ch_haslinger9

[Foto: Screenshot via YouTube: “Uruguay v Portugal – 2018 FIFA World Cup Russia™ – Match 29” von FIFATV]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.