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Das Ende einer Ära in San Antonio und der Masterplan von LeBron

NBA-Teams haben innerhalb einer Woche Verträge im Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar ausgehändigt — wir blicken zurück

Das Ende einer Ära in San Antonio und der Masterplan von LeBron 9. Juli 2018Leave a comment

Redakteur

Am 1. Juli ist die NBA in die Free Agency gestartet. Alle Spieler, die zur neuen Saison noch kein Arbeitspapier unterschrieben hatten, durften ab sofort mit allen 30 Teams verhandeln. Die meisten großen Namen entschieden sich sogar binnen weniger Stunden für ihren zukünftigen Arbeitgeber.

Dieser Sommer steht im Zeichen der Nachwirkungen von 2016, als der sprunghafte Anstieg des Gehaltsspielraums viele Teams dazu veranlasste, große und langfristige Verträge auszugeben, die sie in diesem Jahr mit wenig Spielraum hinterließen. Nichtsdestotrotz wurden die Stars der Liga fürstlich bezahlt. Weniger relevante Spieler haben es hingegen deutlich schwerer, ein Angebot nach ihren Vorstellungen zu finden.

Paul George mit der ersten Überraschung

Bereits nach wenigen Minuten bekannte sich Paul George auf einer kuriosen Party in Oklahomy City dazu, für mindestens drei weitere Jahre für die Thunder aufzulaufen. Zieht der Forward seine Option für ein viertes Jahr, wird er bis 2022 beachtliche 137 Millionen US-Dollar verdienen. Es kam für viele überraschend, dass George in Oklahoma verlängerte. Seit über einem Jahr galt der Wechsel in seine Heimatstadt Los Angeles als sicher. Für das Lieblingsteam seiner Kindheit aufzulaufen, sei schon immer sein Traum gewesen.

Auch über die Länge des Vertrages zeigten sich Experten erstaunt. Erwartet wurde ein Zweijahresvertrag oder gar ein Einjahresvertrag mit einer Spieleroption für das zweite Jahr. Derartige Verträge hätten George nicht nur Flexibilität gegeben, sondern auf die lange Sicht gesehen mehr Geld. Da George im Jahr 2020 zehn Jahre in der NBA ist, könnte er dann einen Vertrag unterschreiben, der 35 % des Gehaltsspielraums beträgt (im Moment nur 30 %).

Chris Paul bleibt bei den Houston Rockets

Für diesen zusätzlichen Bonus war diesen Sommer Chris Paul bereits berechtigt. Als Vorsitzender der Spielergewerkschaft (NBPA) war er maßgeblich an der Implementierung dieser Regel im Tarifvertrag von 2016 beteiligt. Für die kommenden vier Jahre erhält Paul von den Houston Rockets eine Gesamtsumme von 160 Millionen US-Dollar. Paul verzichtete dabei auf ein fünftes Jahr. Die Rockets hätten ihn lieber nur für drei Jahre unter Vertrag genommen. Durch den Kompromiss wird Paul in der Saison 2021/22 im Alter von 37 Jahren 44,2 Millionen US-Dollar verdienen.

Houston geht die zukünftige finanzielle Beslastung bewusst ein, für die Chance in der nächsten Saison den Titel zu gewinnen. Die Rockets waren mit Paul nur zwei Spiele von den NBA-Finals entfernt, in denen sie hochgradig favorisiert gewesen wären. Die Verletzungsanfälligkeit des Point Guards verhinderte das Weiterkommen. Es gilt für die Rockets die Kräfte von Paul zu konversieren und die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung auf diese Weise zu minimieren.

Wenig hilfreich ist dabei der Abgang von Flügelspieler Trevor Ariza. Der 33-Jährige schließt sich für eine Saison den Phoenix Suns an, die ihn dafür mit 15 Millionen US-Dollar entlohnen. Ariza soll als Mentor für den jungen Kader der Suns dienen. Den Rockets wird er als zuverlässiger Dreierschütze und Verteidiger fehlen.

Kein Markt für Center

Auch der schweizer Center Clint Capela hat noch nicht bei Houston verlängert. Eine Trennung von den Rockets ist allerdings unwahrscheinlich, da die Texaner das Recht haben mit den Verträgen der Konkurrenz mitzuziehen und den Verteidigungsspezialisten so in den eigenen Reihen zu halten. Center wecken in diesem Jahr jedoch nur wenig Interesse und Capela wird es schwer haben, ein Team zu finden, das einen Vertrag nach seinen Vorstellungen anbietet.

Diese Erfahrung mussten auch DeMarcus Cousins machen. Der 27-Jährige fand in den ersten Tagen keinen Vertrag, der seinen Ansprüchen entsprach. Teams zögerten, da der Gesundheitszustand von “Boogie” nach seinem Achillessehnenriss hochgradig fraglich ist. Frustriert angesichts der angespannten Lage schloss sich Cousins dem amtierenden Meister an. Die Golden State Warriors verpflichten den Center für ein Jahr zum Schnäppchenpreis von 5,3 Millionen US-Dollar.

Cousins hat in seinen acht NBA-Jahren noch nie die Playoffs erreicht. In seiner Zeit in Sacramento war das Management nicht fähig, ihn mit den richtigen Spielern zu umgeben und kurz bevor er mit den Pelicans die Playoffs erreichen konnte, stoppte ihn seine Achillessehne. Die Warriors können Cousins einen Trip in die Playoffs garantieren.

Cousins wird voraussichtlich noch bis Jahresende ausfallen. Die Warriors, die auch Kevin Durant für zwei weitere Jahre verpflichtet haben, werden den Big Man vorher jedoch kaum gebrauchen. Ein massiger Center wie Cousins scheint für das temporeiche Spieler der Warriors auf den ersten Blick ungeeignet. Doch Headcoach Steve Kerr wird glücklich sein, dass sein derzeit größtes Problem die Integration eines viermaligen All-Stars ist.

Magic, LeBron und ihr Masterplan

Den größten Umbruch des Sommers legten die Los Angeles Lakers hin. Nachdem sie LeBron James mit einem Vierjahrevertrag austatteten, verpflichteten sie JaVale McGee, Lance Stephenson, Kentavious Caldwell-Pope und Rajon Rondo. Der Kader der Lakers bildet somit einen der interessanteren Kader der kommenden Saison. Der Mix aus fraglichen Charakteren mit Erfahrung und jungen Talenten umgibt James, der mit 33 Jahren nicht auf die Entwicklung seiner Mitspieler warten kann.


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ESPN zufolge orientieren sich die Verpflichtungen der letzten Tage an einem Masterplan, den James mit Lakers-Legende und -Manager Magic Johson ausgearbeitet haben soll. James will seinen Spielstil anpassen. Mehrere Leute sollen in der Lage sein, das Spiel aufzuziehen. In Cleveland war James in jedem Spiel hauptverantwortlich für Erfolg und Misserfolg seines Teams. Diese Belastung soll in Los Angeles auf mehrere Schultern verteilt werden.

Im Gegensatz zu den Rockets wollen die Lakers nicht mit dem Scoring der Warriors mithalten. Sie wollen einen eigenen Stil entwickeln und Golden State in ungewohnte Situationen bringen. In einer Liga, in der Distanzwürfe immer größere Bedeutung gewinnen, ein durchaus fragwürdiger Schritt, doch die Kürze der Verträge von Rondo, Stephenson und McGee ermöglichen im Ernstfall eine schnelle Trennung vom aktuellen Kader.

Das langfristige Bekenntnis von James zum 16-maligen Meister ermöglichen Johnson und seinem Partner Rob Pelinka experimentierfreudig zu sein. Bereits im nächsten Sommer kommen mit Kawhi Leonard, Jimmy Butler und Klay Thompson weitere All-Stars auf den Markt, die in Los Angeles anheuern könnten. Sicher ist, dass die Anziehungskraft einer der berühmtesten Sportteams der Welt durch die Verpflichtung des viermaligen MVPs nicht geringer geworden ist.

Das Ende einer Ära in San Antonio

Apropos Kawhi Leonard: Der Finals-MVP von 2014 hat die Fehde mit seinem Arbeitgeber, den San Antonio Spurs, noch nicht beendet. Unruhe derartigen Ausmaßes ist das Team von Gregg Popovich seit seines Amtsantritts 1996 nicht gewohnt. Nun brach eine weitere Stütze des langfristigen Erfolgs der Texaner weg. Tony Parker schloss sich nach 17 Jahren in San Antonio den Charlotte Hornets an und wird dort mit seinem französischen Landsmann Nicolas Batum auflaufen.

Parker war eine der Hauptfiguren im Drama um Leonard. Seine Äußerungen bezüglich der Schwere von Leonards Verletzung trugen wenig Positives zu dessen Verhältnis mit den Spurs bei. Parkers Abgang ist jedoch nicht als Friedensangebot gegenüber Leonard zu verstehen, da Berichten zufolge die Spurs an einer Weiterbeschäftigung des Franzosen interessiert waren. Der Abgang Leonards scheint weiterhin unumgänglich.

Neu in San Antonio ist hingegen Marco Belinelli. Der Italinier bekommt nach einem kurzen Intermezzo mit den Philadelphia 76ers einen Zweijahresvertrag im Wert von 12 Millionen US-Dollar. Mit dieser Verpflichtung und der Vertragsverlängerung von Rudy Gay stehen die Zeichen in Texas keineswegs auf Neuaufbau. Die Spurs wollen in die Playoffs und glauben, mit diesem Kader und Gregg Popovich als Hauptentscheidungsträger auch ohne Leonard gut genug zu sein.

Junge Spieler ohne Angebote

Unter den Folgen des Sommers 2016 litten insbesondere die jungen Spieler, deren Rookie-Verträge in diesem Jahr ausliefen. Neben Clint Capela sind viele weitere Erstrundenpicks von 2014 noch ohne neuen Vertrag, darunter Jabari Parker, Markus Smart und Rodney Hood. Zach LaVine erhielt von den Kings ein Angebot über 78 Millionen US-Dollar, mit dem die Chicago Bulls gleichzogen. Der Guard spielt somit weiterhin in Illinois. Auch Jusuf Nurkic, Aaron Gordon und Dante Exum bleiben bei ihren ursprünglichen Teams, während Julius Randle in New Orleans die Lücke füllen soll, die DeMarcus Cousins hinterlässt.

Andere erwähnenswerte Spielern ohne Vertrag sind Isaiah Thomas, Dwyane Wade, Al Jefferson und Jamal Crawford. Dieser Gruppe könnte sich bald ein weiterer ehemaliger All-Star anschließen. Carmelo Anthony steht vor einer Trennung von den Oklahoma City Thunder. Nach der kostspieligen Verlängerung von Paul George versuchen die Thunder verzweifelt den Vertrag des 34-jährigen loszuwerden, um der größten Strafsteuerzahlung der NBA-Geschichte aus dem Weg zu gehen.

Viele Spieler werden noch Wochen warten müssen, bis sie Klarheit über ihre Zukunft haben. Teams schätzen Flexibilität, die sie 2016 eingebüßt haben und wollen Rollenspieler nicht mit langfristigen Verträgen binden. Die Kader werden sich im Detail noch bis Saisonbeginn im Oktober ändern. Dennoch haben wir in der letzten Woche ein gutes Verständnis dafür bekommen, wie die NBA in der Saison 2018/19 aussehen wird.

Jan auf Twitter: @JanOnOne

[Foto: aaronisnotcool/Flickr/CC BY-ND 2.0]

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