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ELIS NOA: “Man kommt nicht zur Musik, sie kommt zu einem”

Warum die Band nach dem Gefühl völliger Freiheit auf der Bühne strebt

ELIS NOA: “Man kommt nicht zur Musik, sie kommt zu einem” 10. Juli 2018Leave a comment

Wir haben uns mit der in Wien gegründeten Band ELIS NOA getroffen und über ihre Musik geplaudert. Elisa, Angel und Aaron erzählten uns von ihrem eigenen Sound, dem Entstehungsprozess neuer Lieder und dem Ziel von völliger Freiheit auf der Bühne. Ihre neue Single “For Her” ist am 21. Juni erschienen. Das dazugehörige Video symbolisiert das Wechselspiel zwischen Sein und Schein.

kultort.at: Wie seid ihr zur Musik gekommen und wie lange gibt es euch schon als Band?

Aaron: Das erste Konzert haben wir im Mai letzten Jahres gespielt, das war auch das EP-Release-Konzert. Davor haben wir an diesem Projekt schon ungefähr ein Jahr zusammen gearbeitet. Zur Musik bin ich gekommen, weil einfach dort, wo ich aufgewachsen bin, immer viel Musik gehört und gespielt wurde.

Angel: Ich bin in einer Musikerfamilie groß geworden und somit wurde mir das Musik machen mit auf den Weg gegeben. Vor allem mit 16 Jahren war es dann meine persönliche Emanzipation, dass ich so richtig angefangen habe.

Elisa: Ich weiß nicht, ob ich zur Musik gekommen bin. Ich finde, die Musik kommt eher zu einem. Der Bezug zur Musik war immer schon da — von klein auf habe ich mich hauptsächlich damit beschäftigt. Musik zu machen ist das, was am besten funktioniert und fühlt sich für mich auch am besten an.

Von links nach rechts: Angel, Elisa und Aaron

Eure Musik geht in Richtung elektronischer Pop, aber es ist schwierig, sie in ein einziges Genre einzugliedern. Wie würdet ihr euren eigenen Sound beschreiben?

Aaron: Durch das Internet hat man heutzutage so viele verschiedene Möglichkeiten und Inputs, aber wir haben alle Jazz studiert. Das hat wahrscheinlich Einfluss auf unsere Musik, am ehesten würde ich experimenteller Electro-Pop sagen.

Angel: Ja, wir versuchen Musik zu machen, die auf einer Songstruktur basiert. Wir schreiben und lassen dann das einfließen, was uns dazu gefällt. Deswegen sehen wir das Musik machen nicht als Ziel, in ein Genre zu passen, sondern es entwickelt sich anhand unserer Vorlieben. Unser Repertoire an Instrumenten definiert den Sound, darüber hinaus die Stimme von Elisa, die schon sehr soulig ist.


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Elisa: Man hört einfach raus, welche Musik wir gerade hören. Ich schreibe Musik nicht für irgendeinen Zweck, das macht für mich einfach keinen Sinn.

Am 21. Juni wurde euer neues Musikvideo zu der Single “For Her” veröffentlicht. Das Video ist ein One-Take-Video. Wie seid ihr auf die Idee dafür gekommen? Welche Message wollt ihr damit vermitteln?

Elisa: Es war einfach ein Gefühl, dass ein One Shot den Song am besten visualisiert. “For Her” ist so linear und geht von einem lyrischen schönen Sound in etwas ganz Schräges. Ich hatte dieses Bild im Kopf, von einer Person, die plötzlich diese Merkwürdigkeit bekommt. Das Video soll zeigen, dass man manchmal nach außen hin ganz anders ist, als man sich innerlich gerade fühlt. Das Mädchen in dem Video kämpft mit sich selbst, versucht den Schein zu bewahren und sich wieder zu fangen. Doch etwas bricht immer wieder aus ihr heraus.

Aaron: Durch Social Media kreiert und porträtiert heutzutage jeder quasi ein zweites Ich. Wir alle sind irgendwer in der Gesellschaft, haben aber auch ein Bild von uns selbst — im besten Fall überschneiden sich die beiden stark.

Wie gestaltet sich bei euch der Entstehungsprozess für neue Lieder?

Aaron: Meistens kommt Elisa mit einer Idee, teils schon sehr ausgereift, teils etwas roher. Wir arbeiten relativ viel zu dritt daran. Dann schicken wir Ideen hin und her und irgendwann kommt der Punkt, an dem wir versuchen, es mal im Proberaum zu spielen.

Angel: Ja, jeder von uns hat seine Vorlieben und Ideen. Doch dadurch, dass wir als Team super funktionieren, passiert etwas, was nicht geschehen würde, wenn man alleine Musik macht. Manchmal fehlt einem alleine eine weitere Idee oder man hat schon ein bestimmtes Muster, das dann von den anderen schön durchbrochen wird. Dadurch macht der Prozess auch Spaß.

Arbeitet ihr zurzeit an neuen Liedern? Gibt es von euch in nächster Zeit etwas zu hören?

Aaron: Ja, im Herbst wird eine neue EP kommen. Ende Sommer wollen wir auch noch eine neue Single veröffentlichen. Man arbeitet ja irgendwie dauernd an neuen Sachen.


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Angel: Natürlich arbeiten wir an neuen Sachen. Jetzt gab es die Release-Phase von “For Her”, bei der wir alle eingespannt waren. Wir haben jetzt im Frühling auch viel live gespielt.

Aaron: Ja genau, im Sommer wird es dann wieder mehr eine Produktionsphase geben: Also viel schreiben, produzieren und aufnehmen. Dann kommen auch wieder mehr neue Sachen.

Gibt es bei euch als Band ein großes Ziel, das ihr unbedingt einmal erreichen möchtet?

Angel: Also Orte, an denen wir spielen wollen, gibt es ganz viele, aber so eine einzige konkrete Sache habe ich gar nicht.

Aaron: Wir schauen mehr auf unseren Prozess — dass wir weiter arbeiten und besser werden. Dann sehen wir, wo es uns als Band hinträgt. Grob gesagt aber auch einfach spielen, das ist ja der Hauptgrund, warum man Musik macht.

Elisa: Wichtiger, als häufig aufzutreten, ist es, bei den Konzerten gute Qualität zu liefern. Man arbeitet die ganze Zeit an den Songs, aber beim Auftritt sollte man alles vergessen können und einfach spielen. Du solltest es so verinnerlicht haben, dass es natürlich kommt. Das ist mein Ziel, dass ich es im ganzen Körper spüre. Im Prinzip bin ich ständig auf der Suche nach diesem Gefühl. Das ist auch beim Schreiben eines Liedes so: Man will etwas vermitteln und seine Message an andere Menschen weitergeben.

Am 18. Juli gibt es die Möglichkeit, ELIS NOA beim ImPulsTanz Festival in Wien live zu sehen

Katharina auf Twitter: @ina_stelzinger

[Foto: © Marlon Hambrusch]

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