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Frankreich oder Kroatien: Wer wird Weltmeister 2018?

Das große WM-Endspiel wird ein Duell zwischen Qualität und Kampf

Frankreich oder Kroatien: Wer wird Weltmeister 2018? 14. Juli 2018Leave a comment

Die Fußball-WM neigt sich dem Ende zu, nur mehr ein Spiel trennt Frankreich und Kroatien vom Titel. Während der Weltmeister von 1998 bereits zu Beginn des Turnieres zum engeren Favoritenkreis zählte und keineswegs überraschend im Finale steht, hatten die Kroaten nur die wenigsten auf der Rechnung.

20 Jahre später?

“Les Bleus” mussten gegen Argentinien zittern, danach spielte man sich staubtrocken bis nach Moskau. Im Duell mit Belgien überließ die Mannschaft von Didier Deschamps dem Gegner erwartungsgemäß das Spiel, um über Konter gefährlich zu werden. Das Konzept ging reibungslos auf, bis auf einen Kopfball von Marouane Fellaini wurde Belgien in Hälfte zwei kaum gefährlich. Benjamin Pavard (VfB Stuttgart), dessen Aufgabe als Hazard-Bewacher am schwierigsten war, trat sehr souverän auf und wurde von seinen Mitspielern tatkräftig unterstützt, sodass die vom belgischen Edeltechniker ausgehende Gefahr in Grenzen gehalten werden konnte.


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Offensiv zeigte der 19-jährige Kylian Mbappé (Paris Saint-Germain) einmal mehr, wie weit er für sein Alter ist. Mit einer natürlichen Selbstsicherheit und beeindruckender Genialität ging er im Semifinale ans Werk, ließ seinen Gegenspielern selten eine Chance. Wäre Olivier Giroud (FC Chelsea) etwas glücklicher vor dem Tor gewesen, hätte Mbappé zudem den Assist des Turniers verbuchen können. Negativ fiel der junge Franzose durch theatralische Einlagen und Unsportlichkeiten gegen Ende der Partie auf.

Immer besser harmoniert Mbappé mit Mittelfeld-Star Paul Pogba (Manchester United). Die beiden scheinen sich blind zu verstehen. Der PSG-Star geht oft die Wege, die sich sein Spielgestalter erhofft, seine Sturmpartner halten dem Youngster weitgehend den Rücken frei. Nur schwer vorzustellen, dass Kroatien die rechte Angriffsseite der Franzosen in den Griff bekommen kann.

“Defense wins championships”

Das Prunkstück Frankreichs bei dieser WM ist dennoch die Defensive. Nicht nur, dass Innenverteidiger Samuel Umtiti (FC Barcelona) im Halbfinale den entscheidenden Treffer erzielte, auch das Abwehrverhalten der Mannschaft wirkte am Dienstag vorbildlich. Zum vierten mal im Turnierverlauf blieb das Tor von Hugo Lloris (Tottenham Hotspur) sauber — und das gegen ein Team, das zuvor in jedem einzelnen WM-Spiel mindestens ein Tor schoss.

Erfolgsfaktor ist zweifellos N’Golo Kanté (FC Chelsea). Im Semifinale schien der Staubsauger immer genau dann entscheidend aufzutauchen, wenn die Belgier dem Tor näher rückten.

Mit ihm und Pogba in der Startformation gewann Frankreich bisher zehn ihrer 14 Matches bei keiner einzigen Niederlage.

Kroatien, die besten der Welt?

Für den Außenseiter war der Weg ins Finale weit holpriger. Dreimal ging es in die Verlängerung, zweimal musste die Partie im Elferschießen entschieden werden. Obwohl Kroatien es nun tatsächlich ins Endspiel geschafft hat, trauen ihnen nicht viele den ganz großen Coup zu. Sie stehen aber nicht zu unrecht da, wo sie sind.

Es war alles andere als Glück, bis ins Halbfinale zu gelangen und auch kein Zufall, die favorisierten Engländer nach Hause zu schicken. Mehr Ballbesitz, mehr Tackles, eine bessere Passquote und doppelt so viele Schüsse — in nahezu allen Belangen dominierten die Kroaten das Spiel. Nachdem das Team zum dritten Mal in Folge mit einem Unentschieden die 90 Minuten beendete, waren Ermüdungserscheinungen vorprogrammiert. Und doch waren es die Engländer, denen in der Verlängerung die Kräfte ausgingen.

Mit Einsatz zum Erfolg

Ob es tatsächlich an der Fitness, einer guten Regeneration oder doch am zusätzlichen “Äutzerl” Wille liegt, das die Kroaten Spiel für Spiel zu außergewöhnlichen Leistungen bewegt, unterschätzen darf Frankreich seinen Gegner nicht.

Gegen England wurde um jeden Ball gekämpft, abgesehen von Šime Vrsaljko (Atlético Madrid) und Torhüter Danijel Subašić (AS Monaco) gewannen alle Spieler der Startformation mindestens einen Zweikampf, via whoscored.com. Dass Ante Rebić (Eintracht Frankfurt) mit vier die meisten erfolgreichen Tackles des Spiels hatte, zeigt, wie sehr selbst die kroatischen Offensivmänner um jeden Ballbesitz kämpfen.

Im Angriff wird wieder vieles von Luka Modrić (Real Madrid) abhängen. Der Kreativkopf im zentralen Mittelfeld ist das Dreh- und Angelkreuz der Mannschaft. Seine Leistungen bei der WM sind bisher inkonstant, doch selbst bei seinen schwächeren Auftritten verleiht er dem Team durch seine Verteilerqualitäten ein gewisses Facettenreichtum. Immer, wenn der Real-Star den Ball am Fuß hat, muss das gegnerische Team alle möglichen Anspielstationen in Betracht ziehen. Es gibt keinen Pass, den der Kapitän nicht beherrscht.

Viel Platz und Zeit wird Modrić nicht haben. Es wird sehr schwer, Kanté und Pogba zu überwinden. Die Performance des Kapitäns wird entscheidend sein für die Möglichkeit der Kroaten, tatsächlich die Sensation zu schaffen.

Anschließen an die Leistung gegen Messi

Die kroatischen Leistungen in der K.-o.-Phase werden gegen Frankreich nicht reichen, zu souverän ist die Hintermannschaft um Raphaël Varane (Real Madrid). Kampf alleine wird nicht genug sein — es muss eine Leistung wie gegen Argentinien her, um dem Favoriten gefährlich zu werden.

Am Ende wird sich die Qualität gegen Kampf durchsetzen und nach einem 2:0-Erfolg wird Hugo Lloris den Pokal in den Moskauer Nachthimmel stemmen.

Philipp auf Twitter: @Philipp_Lou

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