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Zwei kalte Duschen und sechs starke Minuten: Frankreich ist Weltmeister

In einem torreichen Finale setzten sich effiziente Franzosen gegen mutige Kroaten durch

Zwei kalte Duschen und sechs starke Minuten: Frankreich ist Weltmeister 16. Juli 20181 Comment

Ressortleiter Popkultur

20 Jahre nach dem erstmaligen Weltmeistertitel konnten “Les Bleus” ein zweites Mal die begehrenswerte WM-Trophäe in die Luft stemmen. Mit 4:2 setzten sich effiziente Franzosen gegen kämpfende Kroaten durch. Letztendlich geht der Sieg in Ordnung, die Höhe widerspricht jedoch der Ebenbürtigkeit, die Kroatien über weite Teile der Partie bewies.

Eine zweifache kalte Dusche trotz Überlegenheit

Dabei starteten die Kroaten besser in die Partie, zeigten mutigen und enthuasiastischen Fußball und brachten in den Anfangsminuten die Defensivabteilung der Franzosen in Bedrängnis. Bei den “Feurigen” waren die prognostizierten Ermüdungserscheinungen nach drei Verlängerungen in den vorangegangenen Spielen keineswegs zu erkennen. Vielmehr wollten sie verhindern, abermals einen Rückstand hinterherlaufen zu müssen.

In der 18. Minute war der Torbann des WM-Finales gebrochen. Es waren entgegen des Spielverlaufs die Franzosen, die jubeln durften. Nach einer Schwalbe von Antoine Griezmann schlenzte dieser den Ball in den Strafraum und ausgerechnet Mario Mandžukić, der Held aus dem Halbfinale, köpfelte unhaltbar ins eigene Tor ein. Bitter für Kroatien, da bei der Schwalbe der Videobeweis nicht zum Tragen kommen konnte, weil keine spielentscheidende Situation, und das Tor aus einer Fehlentscheidung des Schiedrichtergespanns resultierte.

Anfangs leicht geschockt, konnte sich Kroatien wieder stabilisieren und durch einen abgefälschten Hammer durch Ivan Perišić konnte der verdiente Ausgleich (28.) erzwungen werden. Doch so nah liegen Himmel und Hölle beieinander — nach einem Eckball sprang der Ball an die Hand des Torschützen — nach Videobeweis der Elfmeter für Frankreich. Abermals konnten sich die Franzosen bei Schiedsrichter Néstor Pitana aus Argentinien bedanken, denn der Elfer war alles andere als eindeutig. Griezmann war es egal, er verlud Danijel Subašić in die falsche Ecke (39.).

Starke sechs Minuten sorgen für die Entscheidung

Auch nach der Halbzeit steckten die Kroaten nicht auf und kamen einige Male gefährlich vor das Tor von Hugo Lloris. Durch Pressing und intensive Zweikampfführung gewannen sie somit auch in der zweiten Hälfte die gefühlte Oberhand. Frankreich wirkte nervös und ließ sich in dieser Phase des Spiels zu sehr an den eigenen Strafraum drängen.

Doch wie es oftmals bei solchen Drangphasen ist, lief Kroatien in einen giftigen Konter der “Équipe Tricolore”. Nach einem Ballverlust schickte Paul Pogba die Rakete Kylian Mbappé per genialem Pass. Der Ball gelang wieder zum Legionär von Manchester United zurück und nach einem vorerst geblockten Schuss schlenzte Pogba überlegt den Ball zum 3:1 (59.).

Sechs Minuten später brach der Youngstar Mbappé den Kroaten mit einem strammen Schuss endgültig das Genick. Verdient durfte der PSG-Stürmer den Award als bester “Rookie” entgegennehmen. Einziger Kosmetikfehler der sonst eiskalten Performance der Franzosen war der geschenkte Treffer zum 4:2. Lloris war übereifrig, ihm missglückte ein Dribbling, Mandžukić nutzte den Fehler aus (69.). Letztendlich konnten die Kroaten keine wirkliche Gefahr mehr erzeugen, die Franzosen spielten die Führung souverän bis zum Schlusspfiff.

Das clevere Team gewinnt

Schon im Laufe des Turniers trumpften die Franzosen nicht mit schönem Offensivfußball auf, vielmehr besticht die Mannschaft von Didier Deschamps durch eine kompakte und sichere Defensive. So präsentierten sie sich auch im Finale und verbuchten demnach nur 39 % Ballbesitz, überließen über weite Strecken der Partie den Kroaten das Spiel. Einerseits Tore aus Standardsituationen, andererseits gefährliche Konter waren das bewährte Rezept der Franzosen.

Das Auftreten der “Équipe Tricolore” verzeichnet die Handschrift von Deschamps, dem erst als dritte Person das Kunststück gelang, sowohl als Spieler als auch als Trainer den WM-Titel zu gewinnen. Schon 1998 war sein diszipliniertes und souveränes Defensivspiel ein Pfeiler, der den erstmaligen Sieg im eigenen Land möglich machte. Auch bei dieser WM war die junge Defensive rund um Raphaël Varane, Samuel Umtiti und N’Golo Kanté Garant für den Titel.

Die vergleichsweise wenigen Chancen, die Frankreich vorfand, müssen aber dann auch eiskalt verwandelt werden. In Person von Mbappé, Griezmann und Pogba weisen “Les Bleus” eine der besten ihrer Zunft auf. Diesen Mannen ist auch 2022 einiges zuzutrauen, wenn sie den Weltmeisterfluch des vorzeitigen Ausscheidens durchbrechen wollen. Mit einem Schnitt von 26,9 Jahren bildete Frankreich das jüngste Team seit Argentinien 1978, das die Goldtrophäe gewinnen konnte. Somit werden sie auch in den nächsten Jahren Top-Favorit bleiben.

Das Ende der “Goldenen Ära”?

Schon vor der WM war Kroatien ein Geheimfavorit auf den Titel und insbesondere in der Gruppenphase wurde die Erwartungshaltung noch mehr gesteigert. Zwar konnten sie jedes ihrer K.-o.-Duelle nur durch Verlängerung oder Elferschießen gewinnen, stiegen jedoch in jedem ihrer Spiele als das bessere Team auf.

Ein Attribut, das wegweisend für den Erfolg dieser Mannschaft war, ist die Entschlossenheit und ihr Wille zum Sieg. Neben ihrer spielerischen Qualität scheuten die Kroaten keinen Zweikampf und konnten durch ihre Aggressivität bis ins WM-Finale vorstoßen.

Des Weiteren verfügen sie mit Ivan Rakitić und insbesondere Luka Modrić über eines der besten Mittelfeldgespanne der Welt. Beide verkörpern Eleganz und sorgen für die Kreativität im Spiel der Kroaten. Eine besondere, wenngleich auch in diesem Moment bittere Trophäe wurde demnach Modrić überreicht, der verdient als bester Spieler des Turniers geehrt wurde. Im Finale konnten beide jedoch ihrem Team nicht den gewünschten Stempel aufdrücken, sodass am Ende nur der zweite Platz übrigblieb.

Neben den beiden Mittelfeld-Stars waren es aber auch Perisić, Mandžukić oder Marcelo Brozović, die oftmals den Unterschied ausmachen konnten. Im Gegensatz zu den Franzosen befinden sich die Leistungsträger der Kroaten in einem fortgeschrittenen Alter. Man darf gespannt sein, ob Modrić (32), Mandžukić (32) oder Rakitić (30) bei den nächsten Großveranstaltungen noch in dieser Form auflaufen. Zu schade wäre es um die “Goldene Generation” der Kroaten, ohne Titel zu bleiben.

Was am Ende übrig bleibt

Abschließend kann man sagen, dass es ein ausgeglichenes Finale war, in dem zwei unterschiedliche Strategien aufeinandertrafen. Durch den glücklichen Spielverlauf mit zwei fragwürdigen Toren war für die Franzosen die Basis für den Titel gelegt. Mutigen Kroaten gelang es nicht, ein zweites Mal das Ergebnis zu egalisieren, und starke Einzelaktionen durch Pogba und Mbappé sorgten für einen zu hohen, aber letztendlich verdienten Sieg.

Christian auf Twitter: @ch_haslinger9

[Foto: Screenshot via YouTube: “France v Croatia – 2018 FIFA World Cup™ FINAL – HIGHLIGHTS” von FIFATV]

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