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Wie schädlich sind Avocados wirklich?

Das vegane Superfood zerstört die Erde und gehört von den Tischen aller verbannt

Wie schädlich sind Avocados wirklich? 17. Juli 2018Leave a comment

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

Der Konsum von Avocados schadet unserer Welt.

Es ist Samstagmorgen. Viele Menschen schlafen noch, die anderen sind bereits auf, um einer der Lieblingsbeschäftigungen der Wiener Bevölkerung nachzugehen — dem Brunchen. Frische Semmeln, Schinken, Käse und schwarzer Kaffee. Das klassische Wiener Frühstück hat längst ausgedient und kann mit den neuen, hippen Frühstücks-Kreationen nicht mehr mithalten. Shakshuka, Hummus, Pastramibrote, Porridge, Breakfast Burger und vor allem Gerichte mit Avocados dürfen für den perfekten Start in den Tag nicht fehlen — glaubt man zumindest dem frühmorgendlichen Instagram-Feed.

Ich schlendere vorbei am Alten AKH und biege bei Ecke Alserstraße/Garnisongasse nach links. Nach weiteren fünf Minuten sitze ich schon im Café Telegraph und bestelle zwei Avocado-Toasts zu meinen Eiern mit Speck. Meine Begleitung entscheidet sich ähnlich. Als unser Frühstück vor uns steht, bin ich begeistert. Zwei perfekte Avocadohälften auf krossem Roggenbrot, mit Chiliflocken, Koriander und Spritzern einer Limette. Ich pfeffere und salze noch etwas nach und bin glücklich.

Avocados sind überdurchschnittlich durstig

Alles andere als glücklich sind die Umstände in Südafrika und Peru, von wo die Avocado im Sommer vorwiegend stammt. Im Winter wird sie hingegen aus Brasilien, Chile und Spanien eingeflogen. Länder, die nicht für faire Bezahlung und reflektiertes Umweltmanagement bekannt sind. Doch das ist nicht das Hauptproblem, was anzuprangern ist. Avocados benötigen eine Menge Wasser und werden zudem dort angebaut, wo ohnehin schon Wasserarmut herrscht.

Laut Ernährungsexpertin Margot Fischer braucht ein Kilo an Avocados, was etwa zweieinhalb Stück entspricht, 1000 Liter Wasser. Zum Vergleich, dieselbe Menge an Tomaten benötigt 180 Liter. Um diesen Durst zu löschen, müssen immer tiefere Brunnen gegraben werden, die wiederum den Grundwasserspiegel senken. Die Folgen sind katastrophale Auswirkungen für ganze Landstriche und das Versiegen unzähliger Flüsse, wie es in Chile bereits der Fall ist.


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Bei dem Gedanken daran, dass ich eben eine ganze Avocado gegessen habe, ohne großartig darüber nachzudenken, woher diese Frucht kommt und was es für deren Reife benötigt, ist mir schlecht. Noch schlimmer wird es, wenn ich die langen Transportwege miteinbeziehe. Avocados aus dem Marchfeld? Nur in meinen Träumen.

Lange Reise, schnell verschimmelt

Mit Schiffen und Flugzeugen werden die beliebten Früchte nach Europa gebracht. Der Transport erfolgt in Polsterverpackungen in Containern, in denen unter hohem Strombedarf eine adäquate Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO2-Gehalt reguliert werden. Nach dem Abladen gelangen die Avocados in energieintensive Reifekammern. Erst dann erfolgt die Lieferung in die Supermärkte, wo viele weggeworfen werden, weil sich reife Avocados in kurzer Zeit in verschimmelten Abfall verwandeln. Wenn sie aber so schlecht für die Umwelt sind, warum werden Avocados derart angepriesen und warum wurde die Beerenfrucht ab 2015 zum gefühlten Superfood schlechthin?

In Amsterdam eröffnete 2017 ein Café, das sich gänzlich dem Konsum von Avocados verschrieben hat. Der treffende Name lautet The Avocado Show. Auf der Speisekarte finden sich Smoothies mit Avocados, Avocado-Burger, Avocado-Tacos, und vieles mehr.

Auch in Österreich ist der Trend massiv zu spüren. Kaum ein hippes Café in Wien verzichtet darauf, Gerichte mit Avocados auf der Speisekarte stehen zu haben. Äußerlich betonen manche, wie wichtig ihnen Regionalität, eine biologische Herkunft und nachhaltige Ernährung sei — was natürlich an Heuchelei grenzt, wenn Obst und Gemüse aus Afrika, Lateinamerika und Asien bezogen werden. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein? Fehlanzeige.

Schlecht für die Umwelt, schlecht für den Körper?

Wenn die Beerenfrüchte so schlecht für die Erde sind, liegt die Vermutung nahe, dass sie auch unserer Gesundheit schaden. Wenn das so wäre, könnten wir uns endgültig von Avocados verabschieden, oder? Meine Hausärztin erinnerte mich erst vor ein paar Wochen, mich vermehrt dem guten Cholesterin zu widmen. Sie empfahl mir kaltgepresste Öle, Fisch und den Verzehr von Avocados. Ernährungsexpertin Fischer bestätigt, dass Avocados gesund sind. Sofern sie nicht mit Pestiziden und Lagerhilfsmitteln kontaminiert sind — was als Normalverbraucher natürlich nicht feststellbar ist.


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Avocados weisen einen hohen Gehalt an Vitamin A und dessen Vorstufen sowie Vitamin E auf. Der Anteil an hochwertigen Fetten ist ebenfalls hoch. Eiweiß und Mineralstoffe sowie Ballaststoffe sind auch vorhanden. Günstig ist zudem der geringe Zuckergehalt, mit dem viele anderen Obst- und Gemüsesorten schwer mithalten können.

Zusätzlich beinhalten Avocados Inhaltsstoffe, die für den Erhalt der Sehkraft und der Vorbeugung gegen Krebs im Mund- und Rachenraum wirken. Avocados sind wirklich gesund — viele andere heimische Früchte und Gemüsesorten aber auch.

Alternativen über Alternativen

Um mich trotzdem mit den guten Inhaltsstoffen von Avocados anzureichern, ohne sie essen zu müssen — zu welchen Nahrungsmitteln greife ich dann? Für die Fettsäuren und das Vitamin E sind Nüsse und Samen zu empfehlen. Vor allem Walnüsse, Mohn, Leinsamen, Sonnenblumen- und Kürbiskerne, aber auch Sesam und Oliven sind ein guter Ersatz. Andere Vitamine und Mineralstoffe, die einen Avocados liefern, finden sich in heimischen Karotten, Roten Rüben, grünem Blattgemüse, Sprossen und frischen Kräutern. Wieso also nicht die Rote Rübe zum Superfood des Jahres 2019 erklären und der Avocado den Rücken zukehren?

Ökologisch betrachtet ist die Avocado ein Luxusprodukt, wie in den 1980er Jahren der geräucherte Lachs. Nur verstehen wir Konsumenten es nicht. Zwar lässt der nicht billige Preis auf einen komplexeren Transportweg und eine aufwendigere Aufzucht schließen, aber doch sind bestimmt jedem Avocado-Fan zwei bis drei Stück verschimmelt. Indirekt 1000 Liter Wasser, die die Bewohner Südamerikas und Afrikas dringend brauchen, ohne großem Bedauern und Wimpernzucken weggeworfen.

Die Werbung suggeriert uns, dass Avocados für einen hippen, gesunden Lebenstil essenziell sind. Besonders VeganerInnen, die sich für den Verzicht von Fleisch- und Milchprodukten oft aus Gründen der Nachhaltigkeit entschieden haben, bedienen sich gerne an diesem Superfood — was erst recht keinen Sinn ergibt.

Ein achtsamer Umgang mit dem Konsum von Avocados wäre demnach angebracht. Es würde die Welt schon verbessern, wenn sich nicht bei jedem Brunch eine Avocado auf den Tellern findet und wir nicht zu allen mexikanischen Gerichten Guacamole essen würden. Ich werde es bestimmt nicht mehr tun.

Lisa auf Twitter: @lugerblis

stv. Ressortleiterin Gesellschaft & Politik

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